Auszeichnung für Grazer Forschung zu Colitis (AAC) und Helicobacter

Bakterielles Toxin als Ursache für antibiotika-assoziierte hämorrhagische Kolitis identifiziert

Die Forschungsgruppe rund um Georg Schneditz, PhD unter der Leitung von Prof. Ellen L. Zechner, Institut für Molekulare Biowissenschaften der Karl-Franzens-Universität Graz, in Zusammenarbeit mit ao.Univ.-Prof. Dr. Christoph Högenauer, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie und Ass. Prof. Dr. Gregor Gorkiewicz, Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Graz, konnte die Ursache für antibiotika-assoziierte hämorrhagische Kolitis aufklären. Dabei handelt es sich um eine gefährliche Komplikation nach einer Antibiotikabehandlung.

Der menschliche Magen-Darm-Trakt wird von hunderten Bakterienarten bevölkert, wobei die Zahl der Bakterien jene der menschlichen Zellen im Körper um ein Vielfaches übersteigt. Die Gesamtheit der Mikroben im Körper, die sogenannte humane Mikrobiota, spielt eine entscheidende Rolle für die Verdauung und die menschliche Gesundheit. Erst die Bakterien ermöglichen die Verwertung von Nahrungsbestandteilen, zusätzlich unterstützen sie die Entwicklung und Aufrechterhaltung eines gesunden Immunsystems, indem sie einen ständigen, ungefährlichen „Sparringpartner“ für den Organismus darstellen. Die Besiedelung mit Bakterien beginnt bei der Geburt, und obwohl sich die Zusammensetzung der Mikrobiota während des Lebens verändert, bleibt das Gleichgewicht zwischen Mikrobiota und Mensch stabil. Wenn aber aufgrund von Infektionen Antibiotika verabreicht werden, bekämpfen die Medikamente nicht nur die Infektionserreger, sondern töten auch Bakterien der gesunden Darmflora. Die Konsequenz ist eine dramatische Störung des Gleichgewichtes innerhalb der Mikroben und ihres Ökosystems.

Klebsiella oxytoca, ein penicillinresistentes Bakterium, gehört zur ‚normalen‘ Darmflora und verhält sich beim gesunden Menschen unauffällig, da es von der gesunden Darmflora in Schach gehalten wird. Kommt es zur Störung der mikrobiellen Darmflora (Dysbiose), wächst Klebsiella übermäßig stark, bis es schließlich die gesamte Darmflora dominiert und eine schwere Darmentzündung auslöst. Die Grazer WissenschafterInnen konnten nun zeigen, dass dieses Bakterium einen Giftstoff bildet, welcher die Zellen der Darmschleimhaut angreift und zerstört. Dies führt zum Verlust der Fähigkeit, eine Barriere zwischen den Bakterien im Darm und dem menschlichen Körper aufrechtzuerhalten. Die Folge ist eine schwere Darmentzündung mit blutigen Durchfällen. Der Giftstoff, das Toxin Tilivallin, gehört zu einer Substanzklasse kleiner bakterieller Stoffwechselprodukte, die bisher nicht mit menschlichen Erkrankungen in Verbindung gebracht wurden. Tritt dieses Krankheitsbild auf, ist es entscheidend, das ursächliche Antibiotikum sofort abzusetzen. Dies gibt der Darmflora die Chance, sich zu regenerieren und führt zur Unterdrückung von Klebsiella durch die natürliche Besiedelung. Die PatientInnen erholen sich daraufhin meist ohne weitere Behandlung vollständig. Aufgrund von oftmals gefährlichen Grundinfektionen kann das Antibiotikum aber gegebenenfalls nicht einfach abgesetzt werden. In diesen Fällen ist die exakte Diagnose des ursächlichen Klebsiella-Stammes entscheidend, um auf ein anderes Antibiotikum umzusteigen. Die WissenschafterInnen präsentieren in ihrer Publikation zudem die Grundlage für zukünftige Tests, um RisikopatientInnen schon im Vorhinein identifizieren zu können.

Die Studie, über die in der aktuellen Ausgabe des renommierten Fachmagazins PNAS berichtet wird, wurde durch die enge Zusammenarbeit mit Prof. Stefan Schild, Karl-Franzens-Universität Graz, Prof. Rolf Breinbauer, Technische Universität Graz, sowie ForscherInnen der Charité Berlin ermöglicht. Finanziert wurden die Arbeiten durch den österreichischen Wissenschaftsfonds FWF, die teilnehmenden Universitäten, die Grazer Forschungsnetzwerke BioTechMed-Graz und NAWI Graz sowie der Österreichischen Nationalbank.

 

Helicobacter pylori Resistenz in Österreich

Helicobacter pylori, ein Bakterium, das den Magen besiedelt, ist der Hauptauslöser des Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwürs sowie ein wichtiger Risikofaktor für Magenkrebs. Mit der Entdeckung von Helicobacter pylori im Zusammenhang mit diesen Erkrankungen in den 80er und 90er Jahren konnte die Behandlung des Magen- und Zwölffingerdarm-Geschwürs revolutioniert werden. Seitdem werden diese Erkrankungen statt bei einer großen Operation mit 2/3 Entfernung des Magens mit einer 1-2 wöchigen Antibiotikatherapie gegen Helicobacter pylori behandelt. In den letzten Jahren kam es aufgrund von steigenden Resistenzraten von Helicobacter pylori gegen Antibiotika zu großen Unsicherheiten bezüglich der besten Therapie. Besonders in Österreich ist dies problematisch, da einige Medikamente gegen Helicobacter pylori hier nicht zugelassen sind, gleichzeitig jedoch eine europaweit Studie die höchsten Resistenzraten in Österreich nachwies.

 

Die Studie von Ass. Prof.in PDin Dr.in Ines Zollner-Schwetz, Bereich Infektiologie, in Zusammenarbeit mit ao. Univ.-Prof. Dr. Christoph Högenauer, Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin der Med Uni Graz, ist nun die erste Untersuchung, die die Resistenzraten in Österreich schematisch untersuchte. An der Studie nahmen mehrere Spitäler in der Steiermark und Kärnten sowie niedergelassene FachärztInnen der Inneren Medizin teil. Die Ergebnisse sind von entscheidender Bedeutung für die zukünftige Behandlung von Helicobacter pylori in Österreich. 

 

QUELLE: https://www.medunigraz.at/gesundheitsthemen/gesundheitsthemen/detail/news/ausgezeichnet-grazer-forschung/

 

 

Stand der Information: Montag, 19. Februar 2018

Ende dieses Seitenbereichs.
Springe zur Übersicht der Seitenbereiche.