Mit gesundem Darm auf Reisen

Mag. Julia Wild

Viele Urlauber kennen das Problem: Zu Sonne, Strand, Meer oder der Erkundung neuer Länder und Kulturen gesellt sich gerne der ungeliebte Reisebegleiter Durchfall. Verdauungsbeschwerden können einerseits mit richtigem Vermeidungsverhalten vor Ort und andererseits mit gezielter Vorbereitung der Darmflora erfolgreich umgangen werden.

Kaum haben sie den ersten Cocktail genossen und das verlockende Hotelbuffet gestürmt, verbringen viele Urlauber die zur Erholung gedachte Zeit zermürbt auf der Toilette statt entspannt im Liegestuhl. Mag. Anita Frauwallner, Geschäftsführerin des Instituts Allergosan, kennt die Problematik reisebedingter Durchfallerkrankungen (Reisediarrhoe): „Aufenthalte in anderen Ländern können sich auf den Darm schlagen. Unter anderem ist dafür schon der veränderte Lebensstil, der mit einem Urlaub einhergeht, verantwortlich. Für eine nervöse Verdauung reichen oft schon Aufregung und Stress wegen der anstehenden Reisevorbereitungen aus. Ein hoher Stresspegel setzt dem Darm insgesamt zu und gilt als erster gefährdender Faktor für Bauchschmerzen und Co.“ 

Bakterien vom Stamm E. coli sind sehr häufig für Durchfälle im Urlaub verantwortlich.

Unverträgliche Keime im Ausland

Zur Hektik vor Reiseantritt kommt im Urlaubsland selbst als Erschwernis hinzu, dass dort etliche Bakterien „leben“, die Einheimischen nichts ausmachen, Touristen aber Schwierigkeiten bereiten können. „Diese Keime müssen nicht per se krankmachende Eigenschaften haben“, erklärt Mag. Frauwallner. „Wir Europäer sind sie jedoch schlichtweg nicht gewohnt und können auf die fremden Mikroorganismen mit Verdauungsunruhe reagieren. Insbesondere bei Menschen mit einem sensiblen Darm kann es bereits durch den Kontakt mit solchen Bakterien zu Durchfällen kommen.“

 

„Aufenthalte in anderen Ländern können sich auf den Darm schlagen. Unter anderem ist dafür schon der veränderte Lebensstil, der mit einem Urlaub einhergeht, verantwortlich.“

 

Die sogenannten fakultativ pathogenen Keime bereiten Urlaubern vor allem in südlichen Regionen Probleme. Das habe laut der Darmexpertin auch mit der übertriebenen westlichen Hygiene zu tun: „Einerseits darf nicht vergessen werden, dass auch die in jenen Ländern heimische Bevölkerung mit heimtückischen Durchfallerkrankungen zu kämpfen hat. In Südostasien und Afrika ist beispielsweise die Säuglingssterblichkeit noch immer sehr hoch, was in vielen Fällen auf das Konto diarrhoeverursachender Bakterien und Viren geht. Andererseits leben Europäer in übermäßig hygienischen Verhältnissen. Ihr Darm ist aufgrund dessen nur schlecht gegen unbekannte ‚Eindringlinge’ gewappnet.“ 

 

Täglich kleine „Impfungen“

Die Einheimischen, die mit ganz anderen Sauberkeitsstandards leben, erhalten bei normalen Alltagstätigkeiten regelmäßig kleine Dosen schädlicher Erreger. Dies wirkt wie eine Art Impfung: Die Darmflora bildet effiziente Gegengifte, sogenannte Bakteriozine, welche – quasi als natürliche Antibiotika – Krankheiten verhindern. „Reisende aus Europa, in deren Heimat solche Bakterien nicht vorkommen, sind den neuen Keimen schutzlos ausgeliefert. Insbesondere Personen mit einem durch falsche Ernährung, chronische Erkrankungen, Medikamente oder Stress belasteten Darm erkranken leicht an Infektionen mit Fieber und Durchfall“, so Mag. Frauwallner.

Vor allem in den ersten 14 Tagen der Konfrontation mit „landestypischen“ Bakterien und Viren besteht eine erhöhte Anfälligkeit für Durchfall und damit zusammenhängende Beschwerden. So gewöhnen sich beispielsweise die meisten Entwicklungshelfer nach etwa diesem Zeitraum an das vorherrschende bakterielle Milieu, auch wenn sie in der Anfangszeit mit Problemen zu kämpfen hatten. Manchen Menschen gelingt eine derartige Anpassung allerdings nie. Im Urlaub fehlt zudem die Zeit dafür – die meisten Urlauber verreisen nicht länger als zwei Wochen. 

Harmlose und gefährliche Durchfälle

Salmonellen kommen häufig in nicht gut durchgebratenem Hühnerfleisch vor.

Die Schwere einer Reisediarrhoe werde maßgeblich davon bestimmt, welcher Keim diese verursache, erläutert die Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für probiotische Medizin: „Nicht alle sind in gleichem Ausmaß problematisch. Als Hauptauslöser für relativ harmlose Durchfälle im Urlaub gelten enterotoxische E. coli, kurz ETEC. Diese Bakterienstämme produzieren Toxine, die zu den typischen Verdauungssymptomen wie wässrigem Durchfall, Übelkeit und Erbrechen führen.

ETEC verhalten sich selbstlimitierend, was bedeutet, dass sie Bauchkrämpfe auslösen, wodurch Wasser in das Darminnere gepresst wird. Die Ausscheidung der Keime erfolgt über den flüssigen Stuhl. Diese Art von Durchfall ist meist nicht gefährlich, mindert aber durchaus das Urlaubsvergnügen, da die Beschwerden den Urlauber für drei bis fünf Tage ans Hotelzimmer ketten.“

Problematischer wirken sich Infektionen mit Campylobacter, Shigellen oder Salmonellen aus, die schwere Entzündungen in Magen und Darm hervorrufen können. Vor allem Urlauber, die mit einem z.B. durch Stress leicht vorgeschädigten Darm verreisen, sind gefährdet. Stress verstärkt leichte Entzündungen im Darm und führt so zu einer Lockerung der Darmbarriere. „Durch dieses ‚leaky gut’ können Keime verstärkt in die Darmwandzellen vordringen. Der Darm kann die Übeltäter via Durchfall nicht ausscheiden, wodurch die Erreger die Darmwand weiterhin schädigen. Es kommt zu einer richtigen ‚Invasion’ im Verdauungstrakt mit teils schwerwiegenden Konsequenzen“, verdeutlicht Mag. Frauwallner. 

„Urlaubssouvenir“ mit Folgen

Einem gesunden Darm, der mit einer festen Barriere und einer oben aufliegenden millimeterdicken Schleimschicht aus guten Bakterien geschützt ist, schaden ein paar wenige Erreger nicht. Ganz anders reagieren Personen mit gelockerter Darmbarriere: Wenn sie im Urlaub an einer komplizierten Form der Reisediarrhoe erkranken, kämpfen sie oft mit langfristigen Folgen. „Erreger wie Salmonellen überdauern den Auslandsaufenthalt und werden mit nachhause genommen“, macht Mag. Frauwallner aufmerksam. „Das kann unter anderem zu einem postinfektiösen Reizdarmsyndrom führen. Heute leiden bis zu 30% der Menschen an einem Reizdarm mit Bauchschmerzen, Blähungen und häufigen Durchfällen. Bei vielen hat die Erkrankung mit einer Infektion durch fremde Keime begonnen.“

 

„Ein gutes Milieu im Darm entsteht dann, wenn Milchsäurebildner ‚vertreten’ sind. Sie sorgen für eine saure Umgebung, in der sich krankmachende Keime nicht vermehren können.“

 

Das Verdauungsorgan wird durch die in der Darmwand sitzenden Keime immer wieder geringfügig geschädigt. Dabei liege das Problem laut Mag. Frauwallner in der schwierigen Diagnose: „Bei einer gewöhnlichen Darmspiegelung kann der Arzt keine Veränderungen im Darm erkennen, da mit dieser Untersuchung kein Blick zwischen die Darmzellen möglich ist. Patienten fühlen sich oft ohne Befund und mit der Vermutung einer psychosomatischen Störung alleingelassen.“ Die Schädigungen könnten mittels Gewebeentnahme (Biopsie) entlarvt werden, doch diese wird bei der Darmspiegelung selten gemacht. Stattdessen kann man sich auch an Speziallabors in Deutschland wenden (www.biovis.de). Die Expertin empfiehlt, bei bestehendem Reizdarmsyndrom ein Basisprofil des Darms erstellen zu lassen, eine Art „ausführlichere“ Stuhluntersuchung, die allerdings privat bezahlt werden müsse. Zusatzversicherungen übernehmen zumeist die Kosten. 

Sicherer Schutz vor Durchfall

Durchfallauslösende Keime sind mit freiem Auge nicht erkennbar. Sie befinden sich auf Türschnallen, Händen, Toilettenspülungen etc. Regelmäßiges Händewaschen und eine sorgfältige Handdesinfektion schränken das Risiko einer Infektion ein. Reisende sollten jedoch unbedingt darauf achten, nur Wasser aus verschlossenen Flaschen zu trinken. Vorsicht ist auch bei Eiswürfeln und rohem Fleisch geboten. Mag. Frauwallner warnt: „Nicht ganz durchgebratenes Fleisch sollte dringend vermieden werden, so kann gegrilltes Huhn innen noch roh sein und z.B. Salmonellen übertragen. Vorsicht ist auch bei Melonen angebracht, deren Gewicht häufig mit keimbelastetem Wasser erhöht wird. Eiswürfel können in einem Cocktail bereits zergangen sein – daher besser zweimal nachfragen, anstatt letztlich an einer Reisediarrhoe zu erkranken.“

Die Vermeidung von Durchfall im Urlaub beginnt tatsächlich schon bei der Reisevorbereitung. „Die beste Methode, um den Urlaub in vollen Zügen zu genießen, ist eine rechtzeitige Vorbereitung des Darms auf Reisen – am besten mit ausgewählten Bakterienstämmen, die schon einige Wochen vor Urlaubsbeginn täglich eingenommen werden sollten“, betont die Allergosan-Geschäftsführerin. „Vor und während der Reise empfiehlt sich ein spezielles Reise-Synbiotikum, genauer ein Multispezies- Synbiotikum wie z. B. OMNi-BiOTiC® REISE. Dabei sollte nicht irgendein Probiotikum verwendet werden, sondern eine spezielle Kombination aus ideal aufeinander abgestimmten Bakterienstämmen. 

OMNi-BiOTiC® REISE
OMNi-BiOTiC® REISE

Erregerfeindliches Milieu schaffen

Der Urlaub kann nicht nur von „Montezumas Rache“ vermiest werden, sondern auch durch gefährliche Keime, mit denen Menschen aus Europa sonst nicht konfrontiert werden. „Der Krankheitserreger Giardia lamblia aus der Gruppe der Protozoen kann chronisch rezidivierenden Durchfall auslösen, woraus wiederum häufig chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa resultieren. Diese Krankheiten erhöhen in weiterer Folge das Risiko, Darmkrebs zu entwickeln“, so die Darmspezialistin. Der Schutz des eigenen Darms besteht aber nicht nur darin, eine stabile Darmbarriere zu schaffen – gute Bakterien verändern das gesamte Milieu des Verdauungstraktes. Dazu Mag. Frauwallner: „Das Milieu im Darm kann mit dem Säureschutzmantel der Haut verglichen werden. Nur wenn dieser Schutzmantel intakt ist, haben Ekzeme oder Akne keine Chance. So ähnlich verhält es sich mit den Bedingungen im Darm. Ein gutes Milieu entsteht dann, wenn sogenannte Milchsäurebildner ‚vertreten’ sind. Sie sorgen für eine saure Umgebung, in der sich krankmachende Keime nicht vermehren können. Ohne Schaden anzurichten, werden die Erreger somit über den Stuhl wieder ausgeschieden.“ 

Stand der Information: Montag, 19. Februar 2018

Ende dieses Seitenbereichs.
Springe zur Übersicht der Seitenbereiche.