16. Aug 2021

Gallensäureproduzierende Darmbakterien erhöhen Lebenserwartung

Nur wenige Menschen werden uralt und erreichen ein Alter von über 100 Jahren. Dabei sind sie oft noch fit und gesund, während andere bereits Jahrzehnte früher unter chronischen Krankheiten leiden. Was ist ihr Geheimnis? Sicher ist, dass man dieses Schicksal nicht ganz selbst in der Hand hat, auch wenn ein Lebensstil mit wenig Stress, einem glücklichen Sozialleben, gesunder Ernährung und viel Bewegung sicher hilfreich ist.

Ob man lange lebt, liegt aber auch am Erbgut. Wobei der genetische Einfluss womöglich viel geringer ist als gedacht. So kam eine Studie vor drei Jahren zu dem Schluss, dass die Lebensdauer zu weniger als zehn Prozent von den Genen vorbestimmt ist und nicht zu 20 bis 30 Prozent, was davor die gängige Lehrmeinung war. Andere beliebte Erklärungen wie etwa sogenannte Langlebigkeitsinseln – also Orte, wo besonders viele extrem alte Menschen leben, z.B. Sardinien oder Okinawa in Japan – sind in der Altersforschung eher umstritten.

Gallensäureproduzierende Darmbakterien erhöhen LebenserwartungMikrobiom altert ebenfalls

Auf der Suche nach neuen Antworten für die großen Unterschiede bei der Lebenserwartung ist seit Kurzem auch das Mikrobiom in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt. Wie wichtig die zahllosen Bakterien im und am menschlichen Körper – z.B. im Darm, im Mund und auf der Haut – für die Krankheitsabwehr und die Gesundheit sind, wird zunehmend klarer. Beim Alterungsprozess könnten sie ebenfalls eine maßgebliche Rolle spielen.

Wie die Forscherinnen und Forscher um Yuko Sato von der japanischen Keio Universität in ihrer soeben in „Nature“ erschienenen Studie schreiben, hängt der Gesundheitszustand von älteren Menschen unter anderem von den Veränderungen bei den Darmbakterien ab. Der Stoffwechsel, die Knochengesundheit, die Immunabwehr sowie neurologische Funktionen werden dadurch beeinflusst.

Wie sehr sich die Besiedelung des Darms im Lauf des Lebens ändern kann, zeigt eine weitere, erst kürzlich im Fachmagazin „Nature Metabolism“ publizierte Studie. Dafür wurde das Mikrobiom von 9.000 Menschen zwischen 18 und 101 Jahren miteinander verglichen. Die Forscher stellten fest, dass bei gesunden Menschen, die über 77 Jahre alt sind, zuvor häufige Bakterien weniger werden, während einige seltene Arten zunahmen. Dadurch entstehen mehr entzündungshemmende Stoffwechselprodukte.

Häufung nützlicher Keime

Auf einen ähnlichen Zusammenhang ist nun die Gruppe um Yuko Sato gestoßen. Sie hat Stuhlproben von Japanern und Japanerinnen analysiert: 47 junge Personen (21 bis 55 Jahre), 112 ältere Menschen (85 bis 89 Jahre) und 160 Über-Hundertjährige (in Japan gibt es weltweit die meisten sehr alten Personen). Im Darm der Hundertjährigen waren manche Bakterienarten deutlich häufiger zu finden als bei den Jüngeren. Diese Mikroben, darunter so exotische Gattungen wie Butyricimonas und Gabonibacter aus der Gruppe der Odoribacteraceae (Stamm: Bacteroidetes, gram-negativ) sind an der Bildung sekundärer Gallensäuren im Darm beteiligt. Laut den Forschern sind die Säuren wiederum wichtig für diverse biologische Abläufe, etwa beim Stoffwechsel und der Immunabwehr. Experimente im Labor und mit Mäusen bestätigten die stark antimikrobielle Wirkung bestimmter Arten von Gallensäuren gegen weit verbreitete Pathogene, z.B. solche, die Durchfall auslösen.

Diese Studien legen nahe, dass die möglichst frühzeitige und dauerhafte Einnahme von probiotischen Bakterien – sei es über die Nahrung (siehe Japan) oder über die Einnahme von Multispezies-Probiotika – den Alterungsprozess verlangsamen und somit ein Altern in Gesundheit fördern kann.

 

QUELLEN:

https://www.nature.com/articles/s41586-021-03832-5

https://science.orf.at/stories/3207901/

 
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