Immun gesund beginnt im Mund

Das Mundmikrobiom

Unsere Mundhöhle spielt eine große Rolle bei der Zerkleinerung und dem Einspeicheln unserer Nahrung. Doch wussten Sie, dass der Mund gemeinsam mit dem Nasen- und Rachenraum eine besondere Schlüsselfunktion in der Immunabwehr unserer Kinder innehat? Eine zentrale Funktion kommt dabei den dort beheimateten nützlichen Bakterien zu, die unser „orales Mikrobiom“, auch Mundflora genannt, bilden.

Was ist das Mundmikrobiom?

In unserem Mund geht’s ganz schön rund. Denn diese Körperöffnung muss ab der Geburt mit zahlreichen Aufgaben und Herausforderungen umgehen. Regelmäßig wird Nahrung in verschiedensten Formen und Konsistenzen aufgenommen, die zerkleinert und vorverdaut werden muss. Verbunden mit drastischen Schwankungen von Temperatur und Säuregehalt in der Mundhöhle, die es auszugleichen gilt. Neben der Nahrungsaufnahme hat unsere Mundhöhle noch auf andere Weise enormen Einfluss darauf, ob unser Körper gesund und leistungsfähig bleibt: Sie spielt eine zentrale Rolle in der Immunabwehr.

Kein Wunder, sind Mund und Nase doch die ersten Eintrittspforten für alle Keime und damit auch für potenzielle Krankheitserreger, die über unsere Nahrung oder die Atemluft in den Körper gelangen. Unsere Mundhöhle ist über die sogenannte Ohrtrompete (Eustachische Röhre) wiederum mit dem Mittelohr verbunden. Eine bequeme „Wanderroute“ für Erreger, die auf diese Weise bis in das Innere der Ohren vordringen oder aber, sie nehmen den Weg über die Luftröhre und verbreiten sich dann im Atemtrakt.

Das Mundmikrobiom als wichtige Immunabwehr

Klug wie Mutter Natur nun mal ist, überlässt sie unsere Mundhöhle nicht schutzlos dem Angriff von fremden Keimen und Erregern, sondern hat in unserem Mund ein erstes wichtiges Abwehrsystem integriert: die Mundflora, wissenschaftlich auch orales Mikrobiom genannt. Das sind natürlich im Mundraum vorkommende Mikroorganismen, vorwiegend nützliche Bakterien, die auf den Mundschleimhäuten leben. Diese Mikroorganismen übernehmen zentrale Schlüsselfunktionen im Mund- und Rachenraum. Sie erfüllen wichtige Schutzfunktionen für unsere Zähne und unser Zahnfleisch, können Schadstoffe aus der Luft filtern und wehren gefährliche Krankheitserreger ab. Eine große Artenvielfalt an verschiedenen Bakterien verdrängt fremde Keime und sorgt so dafür, dass, diese sich nicht im Mundraum ansiedeln. Darüber hinaus können einige Bakterienarten unserer Mundflora spezielle Abwehrstoffe produzieren, die gefährliche Erreger gezielt angreifen und eliminieren.

HNO-Infekte durch Ungleichgewicht in der Mundflora

Eine gesunde Mundflora besteht aus etwa 800 bis 1.000 verschiedenen Bakterienarten. Ihre Zusammensetzung variiert je nach Alter und Gesundheitszustand. Besonders unsere Lebensweise hat Einfluss auf das orale Mikrobiom: Ungesunde Ernährung, Medikamente oder starke Schwankungen des pH-Werts innerhalb der Mundhöhle, etwa durch zuckerreiche Nahrung, können unsere Mundflora beeinflussen und sowohl die Vielfalt als auch die Anzahl an nützlichen Bakterien reduzieren. In Folge entsteht ein Ungleichgewicht, eine sogenannte Dysbiose, die dazu führt, dass unser orales Mikrobiom seine Aufgaben in der Immunabwehr nicht mehr vollständig erfüllen kann.

Schädliche Keime können sich so im Mundraum und von dort weiter im Körper ausbreiten. Entzündungsreaktionen sind häufig die Folge. Störungen des oralen Mikrobioms haben somit nicht nur Auswirkungen auf Zähne und Zahnfleisch. Da unsere Mundflora weitreichenden Einfluss auf den gesamten Mund-, Nasen- und Rachenraum hat und obendrein auch noch die Immunabwehr unterstützt, kann sich durch meine geschwächte Mundflora die Anfälligkeit für Infekte im gesamten Hals-Nasen-Ohrenbereich (HNO) erhöhen – von den Mandeln bis zum Mittelohr. Eine Unterstützung des oralen Mikrobioms durch gesunde Ernährung, die Aufrechterhaltung eines neutralen pH-Werts in der Mundhöhle sowie die gezielte Ergänzung der im Mund- und Rachenraum vorkommenden nützlichen Bakterien, ist daher sinnvoll.

HNO-Infekte durch Ungleichgewicht im Mundmikrobiom

Abbildung: Sind die nützlichen Bakterien der Mundflora reduziert, können sich schädliche Keime ungehindert im Mundraum und von dort weiter ausbreiten (links). Eine große Artenvielfalt des Mundmikrobioms wehrt unerwünschte Keime ab (rechts).

Streptokokken: Was ist das?

Infektionen mit Streptokokken bei Kindern

Streptokokken sind eine weit verbreitete Bakterienart, die in der Regel mit Krankheiten in Verbindung gebracht wird. Weniger bekannt ist, dass es – ähnlich wie in der Darmflora – auch in der Mundflora „gute“ und „böse“ Bakterienarten aus derselben Familie gibt. Der Bakterienstamm Streptococcus salivarius K12 hat seinen natürlichen Lebensraum in der Mund-Rachenhöhle. In einer gesunden Mundhöhle ist er ein dominierender Mikroorganismus und zählt zu den Erstbesiedlern. Bei Säuglingen wird Streptococcus salivarius K12 bereits wenige Stunden bis Tage nach der Geburt nachgewiesen. Obwohl gerade eine dichte Besiedlung des Mundraums mit Streptococcus salivarius K12 vorteilhaft ist, verlieren im Verlauf des Lebens rund 60 % der Bevölkerung diesen Nützling.

Streptococcus salivarius K12

Während krankheitserregende Streptokokken-Stämme (z. B. Streptococcus pneumoniae oder Streptococcus pyogenes) Halsentzündungen, Ohrenschmerzen, Infektionen der oberen Atemwege, Nebenhöhlenentzündungen oder schlechten Atem verursachen, ist Streptococcus salivarius K12 nützlich und wichtig für den Aufbau einer gesunden Mundflora. Möglich ist dies, weil dieser spezielle Stamm antibakterielle Substanzen, sogenannte BLIS (BLIS: bacteriocin-like inhibitory substances) produziert. Siedelt sich Streptococcus salivarius K12 auf dem Biofilm an der Oberfläche der Zunge und der Mundhöhle an, wird der gesamte Rachenraum davon profitieren, da weniger unerwünschte Keime das Immunsystem belasten. Der Bakterienstamm Streptococcus salivarius K12 wurde von Professor John Tagg an der Otago Universität in Dunedin, Neuseeland, entdeckt und ist inzwischen wissenschaftlich ausgezeichnet untersucht. Selbst von einer Streptokokken-Infektion betroffen, forschte der Mikrobiologe nach „guten“ Bakterien, die in der Lage sind, „böse“ Keime in Schach zu halten. Schließlich gelang es ihm, aus der Mundflora eines gesunden Kindes den heute vielseitig eingesetzten Stamm Streptococcus salivarius K12 zu isolieren und für alle verfügbar zu machen.

Infektionen mit Streptokokken bei Kindern

Streptokokken sind für die meisten HNO-Infekte Ihrer Kinder verantwortlich. Manche Streptokokken sind harmlos, andere aber, wie Streptokokken der Gruppe A, können Krankheiten wie ein Lauffeuer verbreiten. Oft lösen sie Infektionen wie Scharlach, Mittelohr-, Nasennebenhöhlen,- oder Mandelentzündungen aus. Aber nicht jeder, der mit Streptokokken in Berührung kommt, wird automatisch krank. Wenn das Immunsystem stark genug ist, dann kann es den Ausbruch der Krankheit verhindern, aber das Kind kann den Erreger trotzdem weitertragen. Viren bieten oft den Boden für Streptokokken, denn ein viraler Infekt mit Husten, Schnupfen oder Halsschmerzen, greift die Schleimhäute im Rachen an und bietet so die perfekten Bedingungen für Bakterien. Wenn starke Halsschmerzen, der Rachen gerötet ist und Fieber aufkommen, dann ist das ein Zeichen, dass aus der Infektion eine Erkrankung geworden ist.

Kinder und deren Immunsystem

Der Aufbau der kindlichen Abwehrkräfte beginnt schon im Mutterleib: Die Entwicklung der Darmflora des Babys hat einen Einfluss auf das spätere Erkrankungsrisiko. Nicht nur die Gene, die Eltern ihrem Nachwuchs mit auf den Weg geben, bestimmen, wie er sich entwickelt. Bereits im Mutterleib wird das Immunsystem des Embryos geprägt, denn über das Blut der Mutter kommt dieser auch mit Antikörpern gegen verschiedene Krankheitserreger in Kontakt. Dennoch ist das Immunsystem von Kleinkindern noch nicht vollständig ausgebildet und der Immunschutz muss oft erst erworben werden. Gerade in den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Immunsystem fortlaufend weiter und wird durch jeden Infekt gestärkt. Vor allem im Kindergarten oder in der Schule sind Kinder vermehrt unerwünschten Keimen ausgesetzt. Daher ist es wichtig, das Immunsystem von Kindern gezielt zu stärken und auf eine gesunde Mundflora zu achten.

Sonnenvitamin D: Wichtig für das kindliche Immunsystem

Kinder wie auch Erwachsene benötigen Vitamin D für ein starkes Immunsystem. Zudem ist das „Sonnenvitamin“ wichtig für die Schleimhäute – denn Vitamin D leistet einen wertvollen Beitrag zur Zellteilung. Vitamin D wird von unserem Körper selbst gebildet. Allerdings braucht er dazu Sonnenlicht – und zwar ausreichend. Diese Eigensynthese ist aber nicht nur von der Sonnenstrahlung an sich, sondern auch vom UV-Index (= Bestrahlungsstärke) und dem Sonnenstand (= Bestrahlungswinkel) abhängig. In den Wintermonaten ist in unseren Breitengraden die Bildung von Vitamin D über die Haut daher nur sehr eingeschränkt möglich. Selbst im Sommer ist ein Aufenthalt im Freien am späten Nachmittag nicht genug, um ausreichend Vitamin D herzustellen.

Wichtig für das Immunsystem und die Mundschleimhaut

Vitamin D ist an zahlreichen lebenswichtigen Funktionen im Körper beteiligt und vor allem für das Immunsystem von Erwachsenen und Kindern von großer Bedeutung. Untersuchungen zeigen, dass Personen mit einem niedrigen Vitamin-D-Spiegel häufiger mit Erkältungen zu kämpfen haben als Menschen mit ausreichender Vitamin-D-Versorgung. Darüber hinaus benötigen auch die Zellen unserer Mundschleimhaut, die sich regelmäßig erneuern, ausreichend Vitamin D für den Prozess der Zellteilung. Diese häufige Regeneration ist wichtig, um die Funktion der Mundschleimhaut als Barriere gegen unerwünschte Keime aufrecht zu erhalten. Deshalb empfiehlt es sich, bei wenig Kontakt mit Sonnenlicht den Vitamin-D-Spiegel regelmäßig zu überprüfen und zu ergänzen.

Tipps bei einem schwachen Immunsystem

Gegen die Symptome Husten, Schnupfen und Heiserkeit bietet die Hausapotheke eine Vielzahl wirksamer Mittel. Damit es erst gar nicht zu einem Infekt kommt, ist es ratsam, das eigene Immunsystem und die körpereigene Abwehr zu stärken – am besten mit körperlicher Bewegung, gesunder Kost und Probiotika.

 

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