Dies ist keine Kurzfassung eines neuen Horrorfilms, sondern die Realität für rund ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren. Frauen, die ohne Behandlung nur schwer durch diese Lebensphase kommen. Die gute Nachricht: Ein Drittel der Frauen spürt Veränderungen, empfindet diese aber nicht als schlimm. Und ein weiteres Drittel stolpert sozusagen in die zyklusfreie neue Lebensphase, ohne überhaupt einen Leidensdruck wahrzunehmen. Aktuelle Studien zeigen: Diese Frauen haben nicht nur Glück. Sie sind allem Anschein nach auch mit vielfältigen freundlichen Darmbakterien ausgestattet, verfügen über eine intakte Darmbarriere und haben deshalb eine geringere Endotoxinbelastung durch Keime. Es gibt somit einen Zusammenhang zwischen Darmgesundheit und harmonischen Wechseljahren.
Die Wechseljahre – was ist das überhaupt?
Klimakterium, Menopause, Wechseljahre? Alles dasselbe? Leider nein. Sprechen wir von der Menopause, so sprechen wir von der letzten Regelblutung. Kommt es nach dieser „finalen“ Blutung für zehn bis zwölf Monate zu keiner Periode, dann befindet sich die Frau in der Postmenopause. Aber immer der Reihe nach: Der Übergang von der fruchtbaren Zeit zu einem periodenfreien Lebensabschnitt erfolgt tatsächlich nicht von heute auf morgen. Schließlich reden wir nicht von den Wechselwochen, sondern von den Wechseljahren (Klimakterium). Diese hormonelle Umstellung findet in verschiedenen Phasen statt. Ähnlich wie in der Pubertät erwartet die Frau in der Lebensmitte eine hormonelle Umstellung. Und diese braucht Zeit. Jahre. Manchmal Jahrzehnte.
Als Prämenopause wird die Zeit zwischen 38 und 46 Jahren bezeichnet. In diesem Abschnitt erlebt die Frau noch regelmäßige Zyklen. Dennoch findet bereits eine Veränderung statt: Eisprünge werden seltener. Eizellen verlieren an Qualität. Das Progesteron (das Entspannungshormon) sinkt langsam ab und es
stellt sich ein hormonelles Ungleichgewicht, im Sinne einer Östrogendominanz, ein.
Die Perimenopause (47 – 52 Jahre) umfasst die Jahre vor und das Jahr nach der endgültig letzten Regelblutung. Viele Zyklen finden jetzt ohne Eisprung statt. Die Eizellqualität nimmt massiv ab. Der Progesteronspiegel ist niedrig. Der Östrogenspiegel fährt Achterbahn, er schwankt und verursacht dadurch die klassischen Wechseljahresbeschwerden: Spätestens dann, wenn aus einem Lachanfall binnen Millisekunden ein Heulkrampf wird, das Gewicht trotz Fasten und Sport nicht zu reduzieren ist und die Schlaflosigkeit zum ständigen Begleiter wird, beginnen viele Frauen zu recherchieren. Denn wenn es um hormonelle Dysbalancen geht, werden zwei Organe in ihrem Einfluss oft deutlich unterschätzt: Leber und Darm. Beide nehmen direkt und indirekt Einfluss auf den Östrogenspiegel.
Darmbakterien beeinflussen den Östrogenspiegel
Tatsächlich haben unsere Darmbakterien eine maßgebliche Bedeutung für den Östrogenspiegel. Geht es also darum, möglichst stabil durch die aufregende Zeit der Wechseljahre zu kommen, lohnt sich ein Blick auf unser intestinales Mikrobiom. Wir Menschen leben in Symbiose mit Billionen von nützlichen Bakterien in und auf unserem Körper. Je mehr bakterielle Arten sich in unserem Darm tummeln, umso besser für unsere Gesundheit, denn: Diese übernehmen wichtige Aufgaben für das Training unseres Immunsystems, sie machen das Verdauen von Lebensmitteln erst möglich und sichern damit unsere Nährstoffversorgung. Außerdem bilden Bakterien sowohl kurzkettige Fettsäuren als auch Neurotransmitter. Einige dieser Bakterien sind in der Lage, Östrogen zu verstoffwechseln und zu regulieren. Sie werden unter dem Begriff des Östroboloms zusammengefasst.
Das Östrobolom und was es mit den Wechseljahren zu tun hat
Das Östrobolom ist ein Begriff, der sich auf die Gesamtheit der Darmbakterien bezieht, die am Stoffwechsel von Östrogen beteiligt sind. Diese Bakterien produzieren selbst kein Östrogen, sondern packen mit an, wenn Östrogen aus dem Körper geschafft werden soll.
„Wo gehobelt wird, fallen Späne“ – das gilt auch für sämtliche Stoffwechselprozesse des Körpers. Jene des Hormonstoffwechsels eingeschlossen. Solche „Späne“ des Hormonstoffwechsels sind zum Beispiel überschüssige Geschlechtshormone oder andere hormonell wirksame Stoffe aus der Umwelt (Xenoöstrogene aus der Nahrung oder der (dekorativen) Kosmetik). Solche Endprodukte müssen aus dem Körper befördert werden. Um über Urin oder Stuhl ausgeschieden zu werden, müssen sie aber wasserlöslich sein. Dazu wird in der Leber die Glucuronsäure an die körpereigenen Endprodukte geknüpft. Das ist nicht nur das Zeichen zum Abtransport. Dieser Prozess dient auch der Inaktivierung. Und so funktioniert das: Hat Östrogen in unserem Körper seine Arbeit getan, gelangt es in die Leber und wird dort mit der Glucuronsäure „verheiratet“. Das Östrogen wurde konjungiert und damit inaktiviert, es kann jetzt einfach über den Harn oder Stuhl ausgeschieden werden.
An dieser Stelle kommt auch das Östrobolom ins Spiel. Diese Bakterien können das Enzym beta(ß)-Glucuronidase produzieren, welches die Glucuronsäure wieder entfernt. Das Östrogen wird damit nicht aus dem Körper geschleust, sondern reaktiviert und über die Darmwand wieder aufgenommen. In normalem Maße ist die Rezirkulation durch die beta-Glucuronidase-produzierenden Bakterien des Östroboloms essenziell für unseren Körper. So kann das Östrobolom zu einer Stabilisierung des Östrogenstoffwechsels beitragen und der Mangel an Östrogen, den wir in den Wechseljahren erleben, ausgeglichen werden. Ein Ungleichgewicht der Darmflora, eine sogenannte Dysbiose, kann hier allerdings weitreichende Folgen haben.
Wechseljahre führen zur Dysbiose
Genauer bezeichnet „Dysbiose“ eine Schieflage der Darmbakterienflora: zu wenige von den „guten“ Bakterien, zu viele von den „Bösewichten“. Das hat nicht nur Konsequenzen für Stimmung, Immunabwehr und Verdauung – es führt auch dazu, dass das Enzym beta-Glucuronidase nicht konstant im Einsatz ist.
Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Artenvielfalt des Darm-Mikrobioms während der Wechseljahre zurückgeht. Wichtige Arten, die aus Ballaststoffen kurzkettige Fettsäuren bilden können und damit die Darmbarriere stärken und Entzündungen vermindern, werden weniger. Ungünstige Keime – auch jene, die für die Gewichtszunahme verantwortlich sind – vermehren sich. Und in Bezug auf den Hormonspiegel bedeutet das einen Verlust der „Östrogen-Recycler-Bakterien“. Somit kann das schwindende Östrogen nicht reaktiviert und zurück in den Körper gepumpt werden, sondern wird noch schneller ausgeschieden. Wesentliche Menopausesymptome sind daher mit einem bakteriellen Ungleichgewicht im Darm assoziiert.
Was braucht ein gesundes Östrobolom?
Unsere Darmbakterien werden maßgeblich von unserer Ernährung geprägt. Neben einer darmflorafreundlichen Ernährung, die aus vielen Ballaststoffen, hochwertigen unverarbeiteten Lebensmitteln besteht, abwechslungsreich und ausgewogen ist, kann unsere Lebensweise unser Darmökosystem vorteilhaft gestalten: ausreichend Schlaf, viel Bewegung, ein gutes Stressmanagement, Verzicht auf Alkohol, Nikotin, übermäßigen Konsum von Zucker, dafür die regelmäßige Anwendung von Prä- und Probiotika.
Ein Hoch auf Prä- und Probiotika
Präbiotika sind Ballaststoffe und ein Festmahl für unsere Darmbakterien. Ballaststoffe werden von unseren Verdauungsenzymen nicht verdaut und gelangen in den Dickdarm. Dort werden sie von den guten Bakterien verzehrt bzw. zu wertvollen Metaboliten (z. B. zu kurzkettigen Fettsäuren) weiterverarbeitet. Ballaststoffe beeinflussen den Östrogenspiegel aber auch direkt. Wenn sich viele von ihnen im Darm tummeln, ist der Gehalt an beta-Glucuronidase optimiert. Weniger Östrogen wird rückresorbiert, was von Vorteil ist, wenn ohnehin viel Östrogen durch den Körper gepumpt wird. Eine Östrogendominanz und damit das Auftreten von stärker werdenden PMS-Symptomen, Wassereinlagerungen, einem Spannungsgefühl in den Brüsten etc. sind in der Perimenopause keine Seltenheit.
Geht es darum, die Artenvielfalt im Darm zu steigern, spielen Probiotika selbstverständlich eine tragende Rolle. Durch eine Vielzahl wissenschaftlicher Studien wurde die Wirksamkeit von probiotischen Bakterien bestätigt. Ganz egal, ob es um die Vorbeugung von Allergien geht, die Verhinderung einer antibiotikaassoziierten Diarrhö oder die Verbesserung der Blutfettwerte. Eine kürzlich publizierte Studie suchte nach der Antwort auf eine neue Frage: Schaffen es Milliarden wissenschaftlich geprüfter probiotischer Bakterien, Wechseljahresbeschwerden zu lindern?
Probiotika für harmonische Wechseljahre
In Rahmen der Untersuchung erhielten 139 Frauen für acht Wochen zweimal täglich ein indikationsspezifisches Multispezies-Probiotikum. In der Analyse konnte nach nur zweimonatiger Anwendung des Probiotikums eine beachtliche Linderung zahlreicher Wechseljahresbeschwerden festgestellt werden: So berichteten 58 % der Frauen, dass durch die probiotische Intervention Hitzewallungen reduziert wurden. Bei 47 % kam es zur Verminderung von Schweißausbrüchen. Die bleierne Müdigkeit wurde bei 60 % der Probandinnen gelindert. Mehr als die Hälfte der Frauen stellte eine deutliche Verbesserung des Hautbildes fest. Darüber hinaus konnten zahlreiche physische Beschwerden wie Kopfschmerzen und Herzrasen nachweislich gemindert werden.
Zusammengefasst führte die tägliche Anwendung des Multispezies-Probiotikums bei den Studienteilnehmerinnen insgesamt zu einer signifikanten Linderung der Wechseljahressymptome. Diese Untersuchung zeigt klar, dass der Einsatz des indikationsspezifischen Multispezies-Probiotikums über die positive Veränderung des Darm-Mikrobioms zu einer herausragenden Reduktion von Wechseljahresbeschwerden beiträgt. Die Studiendaten legen dar: Ein gesundes Darm-Mikrobiom sorgt für mehr Wohlbefinden und Leichtigkeit und legt den Grundstein dazu, dass die Wechseljahre alles andere als wechselhaft werden. Frauengesundheit ist auch Darmgesundheit.