Frauengesundheit

Chaos im Intimbereich

Frauen spüren neben der Verdauung auch vermehrt Veränderungen im Intimbereich: Die Scheidenflora, ein wichtiger Schutzschild vor schädlichen Keimen, ist vielfach gestört (dysbiotisch). Üblicherweise tummeln sich in einer gesunden Vaginalflora Milliarden unterschiedlicher nützlicher Laktobazillen – auch Milchsäurebakterien genannt – und sorgen hier für einen sauren pH-Wert (3,8 - 4,5): In diesem Milieu können sich unerwünschte Keime (z. B. Gardnerella vaginalis) und Pilze (z. B. Candida albicans) nicht vermehren und dringen somit auch nicht in Genitalbereich, Blase, Harnleiter und Fortpflanzungsorgane vor.

Eine Reduktion der Laktobazillen in der Scheide erhöht jedoch das Risiko für eine Infektion im Intimbereich: Denn sind die nützlichen Milchsäurebildner reduziert, verändert sich der pH-Wert im Vaginalbereich und bietet krankmachenden Bakterien und Pilzen ein wahres Wohlfühlambiente zur Vermehrung an – ein Ungleichgewicht zugunsten der unerwünschten Eindringlinge entsteht. Reagiert man nicht sofort bei den ersten Anzeichen einer vaginalen Dysbiose, können pathogene Keime den gesamten Urogenitaltrakt überwuchern, und das macht sich dann nicht nur mit fischig riechendem Ausfluss, Jucken und Brennen bemerkbar, sondern kann auch zu hartnäckig wiederkehrenden Blasenentzündungen führen.

Darm- & ScheidenfloraWohlfühlen von innen und außen: Das 3-Stufen-Konzept

Der Aufbau der Scheidenflora erfolgt bereits ab der Geburt durch die orale Aufnahme von nützlichen Bakterien. Diese wichtigen Symbionten kennen exakt ihren Bestimmungsort im menschlichen Körper und finden ihren Platz innerhalb kürzester Zeit. Wie aber gelangen Bakterien aus dem Darm in den Vaginalbereich? Das lässt sich durch die weibliche Anatomie erklären: Der Analbereich, Vaginalbereich und Harnwege sind keine „dichten“, abgeschlossenen Systeme, sondern münden in Öffnungen. Zwischen dem Anal- und dem Vaginalbereich existiert eine „Schleimstraße“: Über diesen physiologischen Transportweg werden Laktobazillen permanent aus dem Rektum, welches als Reservoir für nützliche Milchsäurebakterien dient, nach vorne in die Scheide befördert.

Wohlfühlen von innen und außen:
Das 3-Stufen-Konzept

Auch der weibliche Verdauungstrakt gerät häufig aus dem Tritt: Frauen sind doppelt so oft von Verstopfung betroffen wie Männer, und oftmals gehen damit unangenehme Blähungen einher. Der Grund dafür liegt meist im stressigen Alltag, mit dem Frauen konfrontiert sind: Zwischen Arbeit, Familie, Haushalt und Freizeitstress bleibt kaum Zeit für einen ruhigen Gang auf die Toilette, für eine Mahlzeit oder gar deren genussvollen Verzehr. Für natürlichen Schwung im Darm sind ausgewählte Ballaststoffe oder die konzentrierte Kraft der exotischen Papaya bewährte Mittel der Natur.

Zum 3-Stufen-Konzept

Was stresst die Scheidenflora?

Das Gleichgewicht der Vaginalflora ist sehr sensibel: Einmal aus dem Tritt geraten treten Beschwerden meist wieder und wieder auf, denn insbesondere Keime wie Gardnerella vaginalis bilden bei Überwucherung des Intimbereichs einen regelrechten Biofilm aus, der in der Scheide anhaftet und immer wieder Probleme hervorrufen kann: Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass 60 % der Frauen sechs Monate nach einer bakteriellen Vaginose dieselben Beschwerden erneut auftreten.

Wie die Darmflora ist auch die Zusammensetzung der Scheidenflora individuell verschieden – deshalb sind manche Frauen auch anfälliger für Infektionen. Verschiedene Einflüsse stören das Gleichgewicht im Intimbereich empfindlich:

  • Hormonelle Veränderungen (z. B. während der Periode, im Rahmen einer Schwangerschaft oder im Wechsel) sind häufig ein Grund für eine Dysbalance der Scheidenflora, denn das Hormon Östrogen bestimmt die Anzahl der Laktobazillen in der Vagina mit. Ein niedriger Östrogenspiegel (wie er z. B. während und nach der Periode vorkommt) geht mit einer verringerten Anzahl an Milchsäurebakterien einherHormone und Scheidenflora.
  • Stress ist ebenfalls ein signifikanter Faktor, der die Vaginalflora aus dem Gleichgewicht bringt und so die Entstehung von Infektionen begünstigt. Die aktuell vorherrschende psychische Dauerbelastung ist somit im wahrsten Sinn des Wortes ein Stressfaktor für den Intimbereich.
  • Antibiotika stören die Zusammensetzung der Scheidenflora ebenfalls, da sie nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Keime vernichten. Deshalb ist es nach jeder Antibiotika-Gabe sinnvolle, nicht nur die Darmflora, sondern auch die Scheidenflora gezielt probiotisch zu unterstützen.
  • Hygiene ist wichtig – doch man sollte es gerade im Intimbereich nicht übertreiben: Damit der pH-Wert der Scheide nicht aus dem Gleichgewicht gerät, sollten für die Reinigung ausschließlich reines Wasser oder speziell für den Intimbereich geeignete Produkte zu verwenden (jedoch keine herkömmlichen Duschgels).

Da die Darmflora die Basis für die bakterielle Besiedelung der Scheide bildet ist es auch naheliegen, dass ein – u. a. durch Stress, zuckerreiche Ernährung oder Medikamente – gestörtes Darmmikrobiom auch eine Dysbiose der Vaginalflora begünstigen kann.

Scheidenflora und Sex – wie hängt das zusammen?

Was vielen nicht bekannt ist, ist der Zusammenhang zwischen Scheidenflora und Geschlechtsverkehr! Denn beim Sex werden die Bakterien mit jenen des Partners ausgetauscht und auch vermischt. Was dann im Vaginalmikrobiom passiert, hängt davon ab, wie die Bakterien in der Scheide auf die „neuen“ Bakterien des Mannes reagieren.

8 Tipps für den Intimbereich

Ein intakter Schutzschild aus Milchsäurebakterien ist für die Gesunderhaltung des Intimbereichs essenziell. Mit einigen Tipps kann die sensible Scheidenflora jeden Tag unterstützt werden:

  • Natürliche Intimpflege: Die sanfte Reinigung mit lauwarmem Wasser ist vollkommen ausreichend. Spezielle Produkte für die Intimpflege können bei Bedarf den für Milchsäurebakterien günstigen pH-Wert unterstützen. Vermeiden Sie Duftstoffe in Slipeinlagen, Feuchttüchern, Verhütungsmitteln etc.
  • Künstliche Hormone in der Ernährung vermeiden: Verzichten Sie nach Möglichkeit vollkommen auf künstliche Hormone. Fleisch oder Milchprodukte aus dem Supermarkt sind oft hormonell behandelt und beinhalten mitunter das künstlich erzeugte Hormon Xenoestrogen, welches den natürlichen Hormonhaushalt durcheinanderbringen kann. Achten Sie daher auf Bio-Qualität oder kaufen Sie direkt bei Bio-Bauern ab Hof oder am Markt ein.
  • Richtige Reinigung: Mit dem Stuhl werden zahlreiche schädliche Keime ausgeschieden. Reinigen Sie sich daher nach dem Toilettengang von vorne nach hinten, damit diese Keime nicht in die Scheide gelangen.
  • Atmungsaktive Wäsche: In der feucht-warmen Umgebung synthetischer Stoffe siedeln sich schädliche Pilze und Bakterien besonders gerne an. Greifen Sie daher bevorzugt zu atmungsaktiver Wäsche aus Baumwolle.
  • Scheidenflora OK!Geschützter Geschlechtsverkehr: Nicht nur die Vagina ist mit Bakterien besiedelt, sondern auch der Penis. Beim Geschlechtsverkehr können die Bakterien vom Penis in die Scheide gelangen und verschiedene Krankheiten auslösen. Um dieses Risiko so gut wie möglich zu minimieren, ist es immer ratsam mit einem Kondom zu verhüten, wenn man zu Scheideninfektionen neigt. Auch der Wechsel zwischen Anal- und Vaginalverkehr steigert das Risiko von Scheideninfektionen.
  • Entspannen: Stress und ein geschwächtes Immunsystem begünstigen die Einnistung von Pathogenen. Unterstützen Sie deshalb Ihre Immunabwehr mit wichtigen Vitaminen und achten Sie auf Ihre psychische Gesundheit!
  • Süßes meiden: Zucker ist die Nahrung für schädliche Mikroorganismen und hoher Konsum kann dazu führen, dass sich diese leichter ansiedeln.
  • Probiotika: Unterstützen Sie Ihre Vaginalflora mit Milchsäurebakterien, die sich in der Scheide ansiedeln und vermehren können und speziell das Wachstum von schädlichen Keimen und Pilzen hemmen. Ideal sind klinisch geprüfte Probiotika zur oralen Einnahme (z. B. zum Trinken), denn durch diese hygienische Anwendung können zusätzliche Reizungen der empfindlichen Scheide und die Übertragung von an den Händen befindlichen Keimen ausgeschlossen werden.

Mehr Tipps für Ihre Vaginalflora

 Wenn Sie gerade schwanger oder kürzlich Mutter geworden sind, finden Sie hier weiterführenden Informationen zum Thema „Schwangerschaft und Stillzeit“. 

Wichtig ist die ärztliche Abklärung von Beschwerden im Intimbereich, die Sicherung der Diagnose (u. a. mittels Scheidenabstrich) und eine geeignete Therapie, um die Scheidenflora schnellstmöglich wieder ins Lot zu bringen und ein Aufsteigen von schädlichen Keimen in den Bauchraum zu verhindern.

Podcast

Hormone & Mikrobiom mit Eva-Maria Hoffmann-Gombotz

 

Bitte beachten Sie, dass die Inhalte auf dieser Seite lediglich informativen Charakter haben. Suchen Sie bei andauernden Beschwerden jedenfalls einen Arzt auf oder nutzen Sie das Service eines Gesundheitstelefons!

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