15. Jun 2020

Dr.med.scient. Verena Stiegelbauer, MSc. BSc.

Pathogene Bakterien im Detail

Gardnerella vaginalis

Gardnerella vaginalis ist ein stäbchenförmiges Bakterium, welches in geringer Menge Teil der normalen, physiologischen Scheidenflora ist. Wenn das Scheidenmilieu aus dem Gleichgewicht gerät, sprich wenn zu wenige Milchsäurebakterien die Vagina besiedeln, nehmen Gardnerellen überhand und es kommt zu klinischen Beschwerden wie Brennen, Schmerzen, Schwellungen und unangenehm riechendem, faulig-fischigem Ausfluss. In diesem Fall spricht man meist von einer bakteriellen Vaginose, einer mikrobiellen Fehlbesiedelung der Scheide. Meist ist Gardnerella vaginalis nicht der alleinige Übeltäter solch eines Ungleichgewichts, vielmehr liegt eine Mischinfektion, ausgelöst durch weitere Bakterien, wie z. B. Bacteroides spp. oder Mykoplasmen, vor. Die Diagnosestellung erfolgt zumeist über einen Vaginalabstrich, in dem nach Zellen Ausschau gehalten wird, die von stäbchenförmigen Bakterien umgeben sind (Clue Cells).  Eine durch Gardnerella vaginalis ausgelöste Infektion kann bei nicht rechtzeitiger Therapie über die Gebärmutter in den Eileiter aufsteigen und schwere Entzündungen verursachen.

Gardnerella vaginalis

  Bakterium Gardnerella vaginalis

Candida albicans

Davon betroffen ist meist der äußere Genitalbereich sowie die Scheide, weshalb man häufig von einer Vulvovaginalcandidose spricht. Pilzinfektionen dieser Art findet man sowohl bei Frauen als auch bei Männern und sie sind z. B. durch ungeschützten Geschlechtsverkehr übertragbar. Wie alle Pilze bevorzugt Candida albicans eine warme, feuchte Umgebung und überlebt durch seine sporenbildenden Eigenschaften auch ungünstige Lebensbedingungen.  Pilze besiedeln die Haut und Schleimhaut von Scheide, Mundhöhle und Magen-Darm-Trakt und sind somit Teil der gesunden Flora. Leben sie im natürlichen Gleichgewicht mit unserem Körper, lösen keine Beschwerden aus. Gerät jedoch die gesunde Flora aufgrund von übertriebener Hygiene, Stress, hormonellen Veränderungen oder einer Immunschwäche aus dem Gleichgewicht, kann sich Candida albicans rasch vermehren und für die klassischen Symptome einer Pilzerkrankung wie Rötung, Schwellung, Juckreiz und cremiger bis bröckliger Ausfluss verantwortlich sein.

Candida albicans

 Hefepilz Candida albicans

Escherichia coli

Escherichia coli ist ein Bakterium, welches Teil der gesunden Darmflora ist. Ist die Scheidenflora nicht ausreichend mit Laktobazillen besiedelt, können E. coli-Bakterien aus dem Darm in die Scheide und den Harntrakt verschleppt werden und dort Infektionen, speziell Harnwegsinfekte, auslösen. Das Bakterium kann sich nach der Infektion in der Blasenwand einnisten und in diesem Versteck verweilen. Die E. coli-Bakterien sind an dieser Stelle unerreichbar für Antibiotika und das Immunsystem. Häufig treten zu diesem Zeitpunkt auch keinerlei Beschwerden mehr auf. Sind jedoch zusätzlich zu den E. coli-Bakterien auch noch Gardnerellen im Vaginalmikrobiom präsent, so können diese die oberste Schicht der Blasenwand angreifen und E. coli freisetzen – die Blasenentzündung flammt erneut auf und ebnet den Weg für einen chronischen Harnwegsinfekt.

Pathogene Bakterien im Detail

          Bakterium Escherichia coli

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