30. Jun 2022

Barbara Seitler, MSc

Transgender: Leben im falschen Körper

Ein Leben im falschen Körper: wenn Aussehen und Empfinden für das eigene Geschlecht nicht miteinander übereinstimmen. Für manche Menschen ist das Gefühl, sich in der eigenen Haut nicht wohlzufühlen, leider Alltag und stellt oftmals eine große psychische Belastung dar.

Transgender: Leben im falschen Körper; Frau hält Notizbuch mit Transgendersymbol in die KameraDie Geschlechtsidentität ist einer der fundamentalsten Aspekte des Lebens. Sie bezieht sich auf das empfundene Geschlecht und muss nicht mit dem bei der Geburt festgestellten biologischen Geschlecht übereinstimmen. Ist dies der Fall, so wird von Transidentität gesprochen. Möglicherweise möchte sich die betroffene Person auch keinem binären (männlichen oder weiblichen) Geschlecht zuordnen.1 Transgender-Menschen drücken ihr empfundenes Geschlecht entweder durch entsprechendes soziales Verhalten oder durch eine Geschlechtsangleichung aus.2

Was heißt Transgender?

Beginnt man sich mit dem Thema „Gender“ zu befassen, merkt man schnell, dass es mit den Begrifflichkeiten nicht immer einfach ist. Denn diese haben sich über die Jahre (weiter)entwickelt, einige davon ähneln sich stark und die Differenzierung fällt nicht immer leicht. Manche bisher gebräuchliche Begriffe gelten inzwischen als überholt. Die Bezeichnung “transsexuell” wird beispielsweise von vielen Betroffenen abgelehnt, da die Geschlechtsidentität nicht in direktem Zusammenhang zur Sexualität steht. Aus diesem Grund wird häufig der Überbegriff „Trans*“ verwendet.3 Das * steht hierbei für die Vielfalt der möglichen Geschlechtsidentitäten, auch außerhalb der klaren Einteilung in Mann und Frau.4 Um einen Überblick zu erhalten, finden Sie hier ein paar wichtige Begriffe aufgelistet:

  • Transgender: Diese Personen fühlen sich entweder nicht im Einklang mit dem körperlichen Geschlecht oder keinem Geschlecht zugehörig.
  • Transsexuelle Menschen: Der Begriff „Transsexualität“ wurde in der Internationalen Klassifikation der Krankheiten der WHO (ICD-10) definiert als der anhaltende Wunsch, im anderen Geschlecht zu leben und darin anerkannt zu werden. In der überarbeiteten Version, die im Jahr 2022 in Kraft getreten ist (ICD-11), wurde dieser Begriff durch „Geschlechtsinkongruenz“ (geschlechtliche Nicht-Übereinstimmung) ersetzt.5 Im Gegensatz zur Transsexualität, zählt die Geschlechtsinkongruenz nun nicht mehr zu den psychischen Störungen, sondern wird der Kategorie „Umstände im Zusammenhang mit sexueller Gesundheit“ zugeordnet.
  • Geschlechtsdysphorie: Hierbei handelt es sich um Geschlechtsinkongruenz, die zu einem klinisch-relevanten Leidensdruck führt.6

Wie funktioniert eine Geschlechtsangleichung?

Nicht alle Transgender-Personen haben das Bedürfnis, sich operieren zu lassen. Bei manchen ist jedoch das Gefühl, im falschen Körper zu stecken, so ausgeprägt, dass es einen derartigen Leidensdruck verursacht, dass sich diese Personen einer operativen Geschlechtsanpassung unterziehen. Damit diese auch vollzogen werden kann, müssen gewisse Voraussetzungen erfüllt sein, wozu unter anderem psychologische Gutachten gehören. Für die Geschlechtsumwandlung ist zusätzlich zur Operation auch eine gegengeschlechtliche Hormonbehandlung notwendig.7 Hierbei werden einerseits die körpereigenen Hormone unterdrückt und andererseits jene des Identitätsgeschlechts zugeführt.

Die Zahl der geschlechtsanpassenden Operationen nimmt zu und die größte Häufigkeit zeigt sich in der Altersklasse zwischen 15- und 29 Jahren. Dabei werden häufiger maskulinisierende, d.h. eine Operationen von Frau zu Mann, als feminisierende Eingriffe durchgeführt.8

Transfrauen und die Bedeutung des vaginalen Mikrobioms

Lässt sich ein Mann zu einer Frau operieren, so wird operativ eine sogenannte Neovagina, sprich eine künstliche Vagina, aus eigenem Körpergewebe angelegt.9 Während das vaginale Mikrobiom der biologischen Frauen äußerst gut erforscht ist und es hierzu bereits zahlreiche Studien gibt, sind die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Neo-Vaginalflora bis dato noch begrenzt. Generell ist bekannt, dass eine gesunde Vaginalflora hauptsächlich von Laktobazillen, d.h. Milchsäurebakterien, besiedelt ist. Diese Milchsäurebakterien produzieren, wie ihr Name vermuten lässt, Milchsäure und sorgen so für ein saures Milieu in der Vagina. Herrscht in der Vaginalflora eine Dysbiose (d.h. ein Ungleichgewicht der Bakterien), so kann dies Infektionen, wie beispielsweise eine bakterielle Vaginose, begünstigen.

Vaginalflora - alle Bakterien in der Vagina

Die Neovagina weist eine verminderte Anzahl an Laktobazillen auf, wodurch sich potenzielle Krankheitserreger leichter ansiedeln und Erkrankungen im Vaginalbereich verursachen können. Eine Studie konnte jedoch zeigen, dass es durch die orale Einnahme eines Multispezies-Probiotikums, welches vier für die Vaginalflora essenzielle Laktobazillen (Lactobacillus crispatus, Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus gasseri und Lactobacillus jensenii) enthält, bereits nach 7 Tagen zu einer nachweislich höheren Besiedelung von Laktobazillen in der Neovagina kam.10 So kann es insbesondere nach einem feminisierenden Eingriff sinnvoll sein, mittels ausgewählter probiotischer Bakterien für eine gesunde Vaginalflora zu sorgen.

 
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