09. Jul 2021

Dipl.-Ing. Anna-Lena Kollos, MA

Tabu-Thema unerfüllter Kinderwunsch: EndomeTRIO Test

Kinderwunsch und Fehlgeburt ist leider ein Thema, über welches sich Betroffene nur selten austauschen können, da es noch immer mit einem fetten Tabu versehen ist – leider! Um diesem Tabu entgegenzuwirken, ist Aufklärung essenziell. Nur wenn verstanden wird, worum es geht, kann ein reger Austausch stattfinden. In einem früheren Beitrag (“Unerfüllter Kinderwunsch“) wurde bereits erklärt, dass nicht der Storch die Kinder bringt, sondern ein komplexes System dahintersteckt. Der weibliche Zyklus mit all seinen Feinheiten und Facetten ist ein hochsensibles System und nur wenn alles perfekt passt und vorbereitet ist, entsteht neues Leben.

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Wie entsteht eine Schwangerschaft?

wie entsteht eine schwangerschaftWährend des weiblichen Zyklus bilden sich durch den Einfluss von den Hormonen FSH (Follikel Stimulierende Hormon) und LH (Luteinisierendes Hormon) sogenannte Follikel, in denen im Idealfall mindestens eine Eizelle zu finden ist. Wenn das LH Hormon seinen Spitzenwert (den sogenannten Peak) erreicht hat, ist das der Startschuss für die Eizelle.

Der Eisprung findet zeitnah zu diesem Peak statt. Um die Eizelle zu befruchten, ist es von Vorteil, wenn bereits Spermien in der Nähe sind – also im Eileiter. Daraus ergibt sich schlussendlich auch das fruchtbare Fenster, denn Spermien sind bis zu 5 Tage im weiblichen Körper überlebensfähig. Damit die Spermien zeitgerecht bei der Eizelle ankommen, müssen diese einen langen Weg überwinden – durch die Gebärmutter und durch den Eileiter.

Neuen Erkenntnissen nach dürften die Spermien ein Signal bekommen, um den richtigen Weg zu wählen und somit auch durch den „richtigen“ Eileiter zu schwimmen – auf ihrem Weg zum Ei. Als hätten sie einen Kompass mit an Board, schwimmen die kleinen Spermien ihren Weg zum Ziel – der Eizelle. Sobald diese erreicht, ist, findet ein Wettkampf zwischen den Spermien statt, um den „Eingang“ zur Eizelle zu finden. Der Sieger dieses Wettkampfes dringt in die Eizelle ein, wodurch es zum Verschluss der Öffnung kommt.

Ab jetzt ist die Eizelle befruchtet. Das bedeutet jedoch nicht, dass automatisch eine Schwangerschaft eingetreten ist. Zu diesem Zeitpunkt erhält die Mutter noch keine Hinweise darauf, dass möglicherweise neues Leben entsteht.

Von der befruchteten Eizelle zur Schwangerschaft

Die befruchtete Eizelle (zu diesem Zeitpunkt eine Zygote) muss jetzt den Weg durch den Eileiter passieren, der bereits erste Hindernisse bringen kann. Im schlimmsten Fall bleibt die befruchtete Eizelle „hängen“ und nistet sich bereits im Eileiter ein. Das hätte fatale Folgen, denn eine sogenannte Eileiterschwangerschaft kann lebensbedrohlich für die Mutter sein.

Auf ihrem Weg teilt sich die Zygote immer weiter und ist etwa am Ende des Eileiters bereits eine Morula (ein kugeliger Organismus aus 16-32 Zellen). Der Weg durch den Eileiter bis in die Gebärmutter umfasst eine Reise von etwa drei Tagen. In der Zwischenzeit hat sich die Gebärmutter vorbereitet, um den Zellhaufen auch adäquat begrüßen zu können. Durch den Einfluss von Östrogen und Progesteron (zwei essentielle Hormone des weiblichen Zyklus) wurde die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut und für die Einnistung vorbereitet. Die Morula wandelt sich in eine sogenannte Blastozyste um und versucht sich an der Gebärmutterschleimhaut anzuheften. Dabei sind viele komplexe Prozesse im Gang, die die Eizelle aufbrechen lassen, damit eine Verschmelzung mit der Gebärmutterschleimhaut überhaupt möglich ist. Wer sich in einer Kinderwunsch Behandlung mittels künstlicher Befruchtung befindet, dem sind Verfahren wie Embryo Glue und Assisted Hatching nicht fremd – dabei wird genau dieser Prozess des Aufbrechens und Anheftens unterstützt.

Sobald die Verschmelzung erfolgreich war, beginnt die Produktion des HCG (Humanes Choriongonadotropin) Hormons welches die Mutter in ein paar Tagen hoffentlich vor Freude strahlen lässt. Es ist das Hormon, dass dafür verantwortlich ist, dass ein Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Sofern keine Pathologien vorhanden sind, wird dieses Hormon ausschließlich bei einer Schwangerschaft produziert. Im Blut ist dieses Hormon früher nachweisbar als im Urin. Deswegen wird bei manchen Frauen in speziellen Fällen auch frühzeitig ein Bluttest durchgeführt, bevor an einen positiven Urintest überhaupt noch zu denken ist. Zum Beispiel wird dieser Weg bestritten, wenn die Frau an einem KIR Gendefekt leidet. Durch fehlende KIR Gene funktioniert das Immunsystem etwas anders und sorgt dafür, dass der Embryo als „fremd“ erkannt wird und somit abgestoßen wird. Es gibt Frauen, die bereits mehrmals schwanger waren, es jedoch gar nicht wussten, da die KIR Gene ihren Teil dazu beitragen. Genau wie bei der Ermittlung des Eisprungs wie in einem früheren Beitrag bereits erwähnt werden Frauen mit Kinderwunsch wahre Detektive, um ihren Wunsch von einem gesunden Baby zu erfüllen.

Welche Rolle spielt der EndomeTRIO Test beim unerfüllten Kinderwunsch?

tabu-thema unerfüllter kinderwunschEine mögliche Untersuchung, die nach wiederholtem Nidationsversagen (das bedeutet, dass die Einnistung nicht stattfinden konnte) zum Einsatz kommen kann, ist der sogenannte EndomeTRIO Test. Dabei werden mittels eines einfachen Abstrichs drei entscheidende endometriale Parameter untersucht. Konkret handelt es sich um den ERA, EMMA und ALICE Test. Durch die Erkenntnisse aus diesen Tests kann das Endometrium (die Gebärmutterschleimhaut) gezielt optimiert werden.

Mit Hilfe des ERA (Endometrial Receptivity Analysis) Tests kann festgestellt werden, wann denn das ideale Zeitfenster für eine Einnistung ist, denn die Gebärmutterschleimhaut ist nicht dauerhaft empfänglich für den Embryo. Dieses Zeitfenster ist sehr individuell und kann von Frau zu Frau variieren (sowohl nach vorne als auch nach hinten). Tatsächlich kann das Ergebnis dieses Testes bereits dazu beitragen eine erfolgreiche Einnistung zu erreichen, denn die Schwangerschaftsrate steigt auf 73% bei Kinderwunschpaaren mit Einnistungsversagen an.

Sobald eine erfolgreiche Einnistung stattgefunden hat, ist jedoch immer noch Vorsicht geboten. Eine Fehlgeburt kann immer noch stattfinden., Das Spektrum an Gründen (dabei sind vermutlich viele der Medizin noch unbekannt) reicht von einem fehlerhaften Chromosomensatz, über ein fehlerhaftes Immunsystem, unzureichende Mikronährstoffe, ein suboptimales oder gar pathogenes Mikrobiom bis hin zu Gerinnungsstörungen und anderen genetischen Mutationen.

Nicht jeder dieser Faktoren kann optimiert werden. So ist ein Gendefekt oder eine Gerinnungsstörung nicht reparierbar, jedoch aber therapierbar. Der Einsatz von diversen Medikamenten findet statt – dabei ist von off-label Use (einer Verwendung eines Medikamentes für einen anderen Zweck als für welches es entwickelt wurde) bis hin zu klassischer Therapie alles möglich. Immer mehr von Bedeutung für die Kinderwunschbehandlung ist jedoch das Thema Mikrobiom.

Mikrobiom und Probiotika bei Kinderwunsch

Mikroorganismen haben eine wichtige Funktion für den menschlichen Körper, das ist bereits bekannt. Dass jedoch auch die Gebärmutter wichtige Bakterien enthält, die die Fruchtbarkeit beeinflussen können, gehört zu den jüngeren Erkenntnissen. Hier kann der EMMA (Endometrial Microbiome Metagenomic Analysis) Test weiterhelfen. Es wird festgestellt, ob die Zusammensetzung/Besiedelung der endometrialen Flora vorteilhaft ist oder ob hier Optimierungen stattfinden sollten.

Nistet sich der Embryo wiederholt nicht ein, kann eine gestörte bakterielle Besiedelung der Grund dafür sein.

Bei einem Mangel an Laktobazillen in der Vagina, haben fakultativ pathogene Keime die Chance sich zu vermehren und Infektionen auszulösen, die Fruchtbarkeit signifikant reduzieren. Mit dem ALICE (Analysis of Infectious Chronic Endometritis) Test können die bakteriellen Übeltäter ermittelt werden. Die Erkenntnisse aus diesem Test lassen eine zielführende Behandlung zu, die schlussendlich auch dazu beitragen kann, dass eine Schwangerschaft eintritt.

traurige frau fehlgeburt

Damit es gar nicht erst zu einer Überwucherung von pathogenen Bakterien kommt, ist es wichtig die kommensale Flora zu stärken. Interessant ist, dass bei einem Lactobacillus-dominierten Mikrobiom im Uterus die Einnistung des Embryos bereits bei der ersten künstlichen Befruchtung zu 60,7% erfolgreich war, bei einem Lactobacillus-reduzierten Mikrobiom jedoch nur zu 23,1%. Die Quote der erfolgreichen Schwangerschaft verringerte sich bei einem Mangel an Laktobazillen von 70,6% auf 33,3% und der Anteil von Lebendgeburten reduzierte sich von 58,8% auf 6,7%.

Wie geht man mit einer Fehlgeburt um?

Frauen/Paare die eine Fehlgeburt erleiden, müssen mit dem Schmerz leben lernen, ihr Kind niemals kennen zu lernen. Es kommt zu Schuldgefühlen und Gedankenspiralen.

Ist eine Frau bzw. ein Paar so offen und spricht über den Kinderwunsch oder gar den Verlust eines Kindes können Hilfestellungen, Ablenkungen oder ähnliches den Paaren zu neuem Mut verhelfen. Eine Hilfestellung kann eine einfache Frage sein wie „…kann ich irgendetwas tun, um dir zu helfen…“ oder Angebote wie „Möchtest du etwas unternehmen?“

Hören Sie auf ihr Bauchgefühl und helfen Sie mit, diese Situationen zu enttabuisieren und erträglich zu machen. Das hilft am aller meisten!

 
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