Hinter der Gastritis steckt oft mehr als nur eine „nervöse“ Reaktion auf Stress oder falsche Ernährung: Besonders das Bakterium Helicobacter pylori spielt bei chronischen Entzündungen eine zentrale Rolle und ist weltweit verbreitet. Doch auch der langfristige Gebrauch von Schmerzmitteln oder Alkohol sowie Autoimmunprozesse können die schützende Magenschleimhaut angreifen und Beschwerden auslösen.
Was ist Gastritis?
Gastritis ist der medizinische Fachbegriff für eine Entzündung der Magenschleimhaut. Diese Schleimhaut kleidet das Innere unseres Magens aus und schützt ihn somit vor der aggressiven, aber für die Verdauung notwendigen Magensäure. Wird diese Schutzschicht angegriffen oder geschädigt, kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die oft sehr schmerzhafte Folgen haben kann.
Bei Gastritis werden zwei Verlaufsformen unterschieden:
- Die akute Gastritis ist eine plötzlich auftretende Entzündung der Magenschleimhaut, die meist durch äußere Reize ausgelöst wird. Häufige Auslöser sind übermäßiger Alkoholkonsum, sehr fettige, scharfe oder stark gewürzte Speisen, Medikamente (wie Schmerzmittel aus der Gruppe der NSAR), Nikotin, aber auch akuter Stress oder Infektionen. Die schützende Schleimschicht im Magen wird dabei angegriffen, sodass die Magensäure die Schleimhaut reizt und entzündliche Reaktionen auslöst.
- Eine chronische Gastritis entwickelt sich über einen längeren Zeitraum hinweg. Sie bleibt häufig unbemerkt, da typische Symptome wie Druck im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit sehr unspezifisch sind. Wird die chronische Magenschleimhautentzündung nicht erkannt und behandelt, kann sie langfristig zu Magengeschwüren oder in seltenen Fällen sogar zu Magenkrebs führen.
- Typ A (autoimmunbedingt):
Das Immunsystem greift fälschlicherweise körpereigene Zellen in der Magenschleimhaut an und tritt häufig bei Menschen mit anderen Autoimmunerkrankungen auf.
- Typ B (bakteriell):
Dies ist die häufigste Form, verursacht durch eine Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori.
- Typ C (chemisch-irritativ):
Entsteht durch schädliche Substanzen wie Alkohol, Galle oder Medikamente.
Typ-B-Gastritis: Die bakterielle Magenschleimhautentzündung
Die Typ-B-Gastritis ist mit Abstand die häufigste Form der chronischen Gastritis. Sie macht etwa 70–90 % aller Fälle aus und wird durch eine Infektion mit Helicobacter pylori verursacht. Dieses spiralförmige Bakterium hat die besondere Fähigkeit, im extrem sauren Milieu des Magens zu überleben und sich in die Magenschleimhaut einzunisten – ein Ort, an dem die meisten anderen Mikroorganismen sofort absterben würden.
Helicobacter pylori produziert das Enzym Urease , das Harnstoff in Ammoniak und Kohlendioxid umwandelt. Ammoniak neutralisiert die Magensäure in seiner direkten Umgebung, wodurch sich Helicobacter pylori eine „Schutzzone“ schafft. Gleichzeitig werden durch diese Reaktion Entzündungen ausgelöst, die die Schleimhautbarriere beschädigen und langfristig das Risiko für Erkrankungen wie Magengeschwüre, Zwölffingerdarmgeschwüre, MALT-Lymphome oder sogar Magenkarzinome erhöhen.
Die Beschwerden der Typ-B-Gastritis sind oft unspezifisch oder fehlen zunächst ganz. Viele Infizierte bemerken diese Erkrankung erst, wenn Komplikationen wie Geschwüre oder Blutungen auftreten. Zu den typischen Symptomen zählen Druckgefühl oder Schmerzen im Oberbauch (vor allem nüchtern oder nach dem Essen), Blähungen, Aufstoßen, Übelkeit, Appetitlosigkeit und seltener Erbrechen oder dunkler Stuhl (Hinweis auf Blutungen).
Wie wird Gastritis diagnostiziert?
Die Diagnose einer Gastritis beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Dabei werden typische Symptome wie Oberbauchschmerzen, Völlegefühl oder Übelkeit erfasst. Zur sicheren Abklärung ist jedoch eine weiterführende Diagnostik erforderlich:
- Gastroskopie (Magenspiegelung): Ein flexibler Schlauch mit Kamera wird über den Mund in den Magen eingeführt. Dabei werden Gewebeproben (Biopsien) entnommen, um entzündliche Veränderungen und gegebenenfalls eine Helicobacter pylori-Infektion nachzuweisen.
- Urease-Test: Schnelltest zum Nachweis von H. pylori aus der Biopsie.
- 13C-Harnstoff-Atemtest: ein nichtinvasiver Atemtest, der Helicobacter pylori zuverlässig nachweisen kann.
- Stuhl-Antigen-Test oder Antikörpernachweis im Blut: ein ergänzendes Verfahren, vor allem bei Kindern oder zur Therapiekontrolle.
Therapie der akuten und chronischen Gastritis
Die Behandlung einer Gastritis richtet sich nach ihrer Ursache, Form (akut oder chronisch) und Ausprägung. Das Therapieziel besteht darin, die Magenschleimhaut zu beruhigen, Reizstoffe zu vermeiden und gegebenenfalls Krankheitserreger zu bekämpfen.
Akute Gastritis:
- Ruhigstellung des Magens und Schonkost: vorübergehendes Fasten oder flüssige Kost zur Entlastung sowie eine magenschonende Ernährung mit Verzicht auf Alkohol, Kaffee, scharfe Gewürze und fettige Speisen.
- Protonenpumpenhemmer (PPI) oder H2-Blocker: zur Hemmung der Magensäureproduktion und Förderung der Schleimhautheilung.
- Magensäure -neutralisierende Mittel (Antazida): zur akuten Linderung der Beschwerden.
Chronische Gastritis:
Die Therapie richtet sich nach dem jeweiligen Typ:
- Typ A (autoimmun): Vitamin- und Mineralstoffsupplementierung z. B. mit Vitamin -B12 oder Eisen, Reduktion der Magensäureproduktion durch Protonenpumpenhemmer und regelmäßige Kontrollgastroskopien aufgrund des erhöhten Krebsrisikos.
- Typ B (Helicobacter pylori): Eradikationstherapie mit Antibiotika und Protonenpumpenhemmer.
- Typ C (chemisch-irritativ): Vermeidung der auslösenden Substanzen (z. B. Medikamente, Alkohol, Galle-Reflux), PPI-Therapie zur Regeneration.
Probiotika: Unterstützung für Magen und Darm
In den letzten Jahren rücken Probiotika zunehmend in den Fokus der Gastritis-Behandlung. Studien zeigen, dass bestimmte probiotische Stämme eine lindernde und stabilisierende Wirkung auf das Magen-Darm-System haben können, insbesondere bei der begleitenden Therapie einer Helicobacter pylori-Infektion. Lactobacillus rhamnosus, Lactobacillus plantarum, Lactobacillus reuteri und Bifidobakterium bifidum gehören in diesem Zusammenhang zu den am besten untersuchten Bakterienkulturen.
Sie können Entzündungsprozesse in der Magenschleimhaut reduzieren, das Wachstum von H. pylori hemmen, Nebenwirkungen von Antibiotika (z. B. Durchfall) mildern und das Mikrobiom stärken. Ebenso wird die Regeneration der Schleimhäute unterstützt.
Insbesondere bei chronischer Gastritis kann eine probiotische Therapie dabei helfen, das Gleichgewicht zwischen schädlichen Keimen und nützlichen Bakterien im Verdauungstrakt zu regulieren.
Bei Magenbeschwerden: Unterstützung aus der Natur
Die tropische Frucht Papaya (Carica papaya) enthält das Enzym Papain, das eine verdauungsfördernde Wirkung besitzt. In der Naturheilkunde wird Papaya traditionell bei Magenbeschwerden eingesetzt, da das Enzym Eiweiß spalten und damit die Verdauung entlasten kann. Es gibt Hinweise darauf, dass Papaya-Präparate bei Reizmagen und leichter Gastritis unterstützend wirken können, indem sie die Verdauung von Eiweißen verbessern, das Völlegefühl reduzieren und die Magensäureproduktion normalisieren.
Auch Hafer besitzt eine entzündungshemmende Wirkung und beruhigt die empfindliche Magenschleimhaut. Die enthaltenen Beta-Glucane legen sich wie ein schützender Film über die Magenschleimhaut und lindernt dadurch Reizungen und Schmerzen.
Probiotika und natürliche Mittel wie Papaya oder Hafer können dabei helfen, die Schleimhaut zu beruhigen, die Verträglichkeit der Therapie (Antibiotikatherapie) zu verbessern und das Mikrobiom zu regenerieren.