Autoimmunerkrankungen

Autoimmunerkrankungen - vielfältige Ausprägungen chronischer Krankheiten beim Menschen

Was ist eine Autoimmunerkrankung?

Bei einer Autoimmunerkrankung richtet sich unser Immunsystem gegen körpereigene Strukturen, z. B. bestimmte Zellen oder Gewebe. Unser Abwehrsystem kann im Falle einer Autoimmunerkrankung nicht zwischen „eigen“ und „fremd“ unterscheiden, sodass eigenes Gewebe irrtümlich als ein schädlicher Eindringling verkannt und vom eigenen Immunsystem bekämpft wird. Jedes Gewebe oder Organ kann dabei angegriffen werden. Daher sind sowohl die Krankheitsbilder als auch die Behandlungsmöglichkeiten sehr verschieden.

Weltweit sind etwa 5–8 % der Menschen betroffen, vor allem Frauen, Kinder dagegen eher selten. Autoimmunerkrankungen entwickeln sich meistens spontan, und bei einer bereits bestehenden ist das Risiko erhöht, eine weitere zu entwickeln. Aktuell sind rund 100 verschiedene Autoimmunerkrankungen bekannt, wie z. B. Schuppenflechte, Hashimoto-Thyreoiditis, Zöliakie oder Diabetes mellitus Typ 1 etc.

Wie entstehen Autoimmunerkrankungen?

Ursachen für Autoimmunerkrankungen sind meist multifaktoriell. Häufig besteht hier eine genetische Prädisposition, und in vielen Fällen sind auch Autoantikörper nachweisbar, wodurch eine passende Diagnose gestellt werden kann. Eine Kreuzreaktion, die durch bakterielle oder virale Antigene ausgelöst wird, kommt eher seltener vor. In diesem Fall ähnelt die Antigenstruktur dem körpereigenen Gewebe – ein gutes Beispiel dafür ist rheumatisches Fieber.

Chronischer Stress zählt ebenfalls zu den möglichen Ursachen, denn: Die Ausschüttung von Stresshormonen kann, besonders bei chronischem Stressgeschehen, negative Auswirkungen auf das Immunsystem haben.

Aktuell sind rund 100 verschiedene Autoimmunerkrankungen bekannt, wie z. B. Schuppenflechte, Hashimoto-Thyreoiditis, Zöliakie oder Diabetes mellitus Typ 1.

Wie erfolgt die Therapie von Autoimmunerkrankungen?

Autoimmunerkrankungen - medikamentöse Therapie

Autoimmunerkrankungen sind grundsätzlich schwer heilbar, sie begleiten die Betroffenen meist lebenslang, und nur selten verschwinden sie wieder von selbst. Die Behandlung erfolgt somit nur symptomatisch und nicht ursächlich.

Alle Körperbereiche können betroffen sein. Oft richten sich die eigenen Immunzellen gegen ein bestimmtes Organ, wie zum Beispiel gegen die Schilddrüse bei Hashimoto-Thyreoiditis oder gegen die insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse bei Diabetes mellitus Typ 1. In solchen Fällen erfolgt die Therapie symptomatisch, in diesen beiden Fällen zum Beispiel durch Insulingaben oder Hormontabletten.

Die Rolle der Darmflora bei Autoimmunerkrankungen

Wir wissen bereits: 70 % unserer Immunzellen befinden sich im Darm. Somit spielt der Darm bei Autoimmunerkrankungen eine entscheidende Rolle. Ein Ungleichgewicht in der Darmflora kann sich negativ auf unsere Gesundheit auswirken und wird mit der Entstehung mancher Autoimmunerkrankungen, wie zum Beispiel Multiple Sklerose, Rheumatische Arthritis oder Lupus erythematodes, in Verbindung gebracht. Eine eubiotische Darmflora unterstützt den Körper in seiner natürlichen Funktion und trägt zu einem intakten Immunsystem bei.

Ein Forscher-Team der belgischen Universität Gent untersuchte, welche Störungen in der Darmflora möglicherweise zu Autoimmunprozessen führen könnten. Im Verlauf dieser Studie gab es Hinweise darauf, dass eine starke Vermehrung bestimmter Clostridien im Darm zu Veränderungen im Lymphgewebe führen kann, das die Bildung von Antikörpern zur Folge hat. Diese wiederum greifen Organe und Gewebe unkontrolliert an, wie etwa bei Multipler Sklerose und Lupus erythematodes. Jene Probanden, die in jungen Jahren einen hohen Clostridia-Anteil im Darm aufwiesen, entwickelten im späteren Leben eine Autoimmunkrankheit.

Eine andere Studie aus dem Jahr 2013 liefert weitere Hinweise auf den Zusammenhang zwischen Darmflora und der Entstehung von Autoimmunerkrankungen. Forscher des NYU und der New York University School of Medicine aus den USA haben negative Veränderungen in der Darmflora von Arthritis-Patienten festgestellt. Dabei wurden Stuhlproben von 42 Arthritis-Patienten und 28 gesunden Erwachsenen untersucht. Bei den Arthritis-Patienten wurde eine wesentlich höhere Anzahl von Prevotella-Bakterien im Darm gefunden als bei den Gesunden. Es handelte sich um andere Prevotella-Stämme, die im Darm der Arthritis-Patienten ansässig waren, als jene Prevotella-Stämme, die für gewöhnlich Teil einer gesunden Darmflora sind.

Tipps um Ihr Mikrobiom zu unterstützen:

Bei Autoimmunerkrankungen das Darm-Mikrobiom unterstützen - Darm in Nahaufnahme
  • Gezielte Einnahme von Probiotika: Probiotika, die spezifische Bakterienstämme enthalten, können die Darmflora (wieder) ins Gleichgewicht bringen.
  • Ballaststoffreiche Ernährung: Ballaststoffe sind eine wichtige Nahrungsquelle für nützliche Darmbakterien und unterstützen die Bildung entzündungshemmender Substanzen. Diese sorgen wiederum für ein gesundes Mikrobiom und Gleichgewicht im Immunsystem.

Eine gesunde Darmflora spielt eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von Autoimmunerkrankungen. Sie unterstützt dabei, das Immunsystem zu regulieren und die Barrierefunktion der Darmschleimhaut aufrechtzuerhalten. Eine Dysbiose im Darm hingegen kann Autoimmunprozesse fördern und zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen beitragen.

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