18. Aug 2021

Hebammentalk: Von Kaiserschnitt bis 3-Monats-Koliken

Eine Schwangerschaft ist bekanntlich die schönste Zeit im Leben einer Frau. Steffi Rex hat sich diese Zeit als Hebamme zu Ihrer Berufung gemacht und ist nun auch in der Schwangerenbetreuung und Vorsorge tätig. Wir haben daher Stephanie Rex als Expertin befragt:

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Hebamme Steffi Rex

Steffi Rex ist Hebamme und in der Schwangerenbetreuung und Vorsorge tätig.

Institut AllergoSan: Sie haben vor fast 20 Jahren die Ausbildung zur Hebamme beendet und Ihren Traumberuf gefunden. Welche Erlebnisse konnten Sie in dieser Zeit sammeln, die Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind?

Steffi Rex: Sie haben es genau richtig gesagt, ich habe tatsächlich das Glück, dass ich einen Beruf gefunden habe, den ich wirklich mit Herz und Verstand ausübe. Allein dafür bin ich schon sehr dankbar. Natürlich gibt es viele verschiedene Erlebnisse, die ich in den letzten 20 Jahren erlebt habe. Zu dem Beruf der Hebamme gehören viele wunderbare Schwangerschaften und Geburten aber auch Ereignisse, die nicht so schön sind.

Immer wieder erinnere ich mich zurück an eine nicht geplante Hausgeburt, zu der ich als Hebamme dazu gerufen worden bin. Diese Familie habe ich in der Schwangerschaft kennen gelernt und geplant war, dass ich sie im Wochenbett begleite. Die Frau wollte möglichst so lange wie möglich mit ihrem Mann zu Hause bleiben und hatte dann jedoch das Gefühl, dass sie es nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus schaffen würde, also riefen sie mich hinzu. Es war eine wunderschöne und ruhige Geburt.

Ich bin die letzten Jahre immer im Kreissaal angestellt gewesen. Parallel dazu war ich in einer Praxis, mit verschiedenen Kursen und Wochenbettbetreuung. Natürlich gibt es auch im Bereich der Wochenbettbetreuung tolle Ereignisse. Ich durfte bei zwei Geburten einer Freundin dabei sein, die wie viele Frauen, am Ende der Geburt daran gezweifelt hat, dass sie es schafft. Sie und ihr Mann dachten, sie bräuchte auf jeden Fall noch eine PDA. Das ist eine Periduralanästhesie, die die Wirbelsäule so betäubt, dass die Schmerzen von der Geburt kaum bzw. gar nicht gespürt werden. Da sie sehr musikalisch ist, kam mir die Idee, die Musik laufen zu lassen, die sie selbst mitgebracht hatte.

Manchmal sind es einfach die kleinen Dinge, die den werdenden Müttern Energie für die letzte Phase der Geburt gibt.

Ihre Musik hat ihr für den Endspurt ihrer Geburt so viel Kraft gegeben, dass sie im Endeffekt alle zwei Kinder so geboren hat, wie sie es sich vorgestellt hatte. Dieses Beispiel zeigt einfach immer wieder, dass es sehr viel Sinn macht sich schon in der Schwangerschaft damit auseinander zu setzen, was oder welche Dinge einem selbst unter der Geburt Kraft und Motivation geben könne. Manchmal sind es einfach die kleinen Dinge, die den werdenden Müttern Energie für die letzte Phase der Geburt gibt.

Institut AllergoSan: Wie sieht es mit chronischen Erkrankungen bei Schwangeren aus – haben Sie schon Erfahrungen mit Risikoschwangerschaften gemacht?

Schwangere macht YogaSteffi Rex: Ich bin nun seit 1,5 Jahren mit einer weiteren Hebammenkollegin in einer großen Frauenarzt Praxis als selbstständige Hebamme in der Schwangeren-Vorsorge tätig. Dort begegnen wir vielen Risikoschwangeren. Das wichtigste dabei finde ich ist immer, dass Frauen mit einer Risikoschwangerschaft, trotzdem noch eine glückliche und für sich gesunde Schwangerschaft erleben können. Denn gerade diese Frauen haben mehrere Arzttermine, oftmals sogar bei verschiedenen Ärzten. Und jedes Mal haben sie die Sorge beziehungsweise die Hoffnung, dass mit ihrem Kind und ihrer Schwangerschaft alles in Ordnung ist.

Die Aufgabe von mir ist gerade hierzu schauen, wo sie selbst ihre Ressourcen finden können oder auch einfach mal „Auszeiten“ nehmen, um sich über ihre Schwangerschaft zu freuen. Dies können zum Beispiel Kurse sein, wie „Aqua fit in der Schwangerschaft“ oder ein Yogakurs. Ich, als Hebamme, betrachte natürlich immer die ganzheitlichen Aspekte. Sei es mit Homöopathie, Akupunktur oder auch einfach eine Entspannungsreise, damit die Frauen etwas vom Alltag abschalten können. Genauso lege ich Wert auf eine gezielte Beratung, sei es Ernährung oder auch die Erstellung von Bewegungskonzepten.

Zusammenhang zwischen Art der Geburt und Darmmikrobiom

Institut AllergoSan: Auch die Art der Geburt hat einen Einfluss auf das Darmmikrobiom eines Babys. Können Sie uns dieses Phänomen näher klären?

Steffi Rex: Es ist bekannt, dass Kinder, die durch Kaiserschnitt geboren werden, nicht das vaginale Mikrobiom mitbekommen, wie Kinder, die auf natürliche Weise zur Welt kommen. Ganz abgesehen davon, dass Kinder, die Wehen spüren können und auch von der hormonellen Seite einiges mit auf den Weg bekommen, was sich später positiv auf ihr Leben auswirkt. Aktuell gibt es eine Langzeitstudie aus Luxemburg, die dies noch mal deutlich belegt. Kaiserschnitt Kindern fehlen deutlich Mikroorganismen, die für ihr Immunsystem und natürlich auch für ihre Darmflora wichtig sind. Unser Immunsystem sitzt hauptsächlich im Darm. Wenn dies nicht vernünftig aufgebaut wird, sind wir Menschen empfänglicher für verschiedenste Krankheiten.

Verschiedene Studien belegen, dass die Art der Geburt eine große Rolle auf die natürliche Besiedelung des Darms hat. Es gibt auch medizinisch notwendige Kaiserschnitte, die gemacht werden müssen. Gerade mit diesem Hintergrundwissen sollten Eltern bei einem „Wunsch Kaiserschnitt“ deutlich überlegen, was für Auswirkungen dieser Wunsch für ihr Kind hat. Genauso ist schon länger bekannt, dass Kinder, die eine reduzierte Vielfalt an gesunden Bakterien im Darm aufweisen anfälliger für Stoffwechselerkrankungen oder auch Autoimmunerkrankungen sind. Nun wird noch genauer untersucht, wie lange die Kinder einen Nachteil davon haben und welche ganz genauen Auswirkungen es auf ihr Leben haben könnte.

In vielen Kliniken ist es gang und gebe, dass während eines Kaiserschnittes direkt Antibiotika gegeben werden. Somit kommt das Ungeborene schon vor seiner Geburt mit Antibiotika in Berührung. Hier vermuten die Forscher, dass es dadurch schon zu einer Ausbildung von Antibiotikaresistenzen kommen kann. Es gibt aber auch Kliniken, die der Mutter das Antibiotikum erst nach Geburt des Babys verabreichen. Dies wäre sicherlich bei einem geplanten und medizinisch notwendigen Kaiserschnitt eine Frage, die werdende Eltern an ihre Geburtsklinik richten könnten.

Stillende Mutter mit Säugling

Superfood Muttermilch

Superfood MuttermilchInstitut AllergoSan: Muttermilch ist ein “Superfood” – warum ist das so und was können Sie Müttern zusätzlich empfehlen?

Steffi Rex: Grundsätzlich ist die Muttermilch das Beste für das eigene Kind. Der Körper, also die Muttermilch, stellt sich komplett auf die Bedürfnisse des Kindes ein. Natürlich spielen verschiedene Faktoren eine große Rolle. Es ist wichtig, dass die Mutter in aller Ruhe stillen kann, dass sie Zeit hat sich vernünftig zu ernähren und auch ein intaktes Immunsystem der Mutter hat eine zentrale Bedeutung.

Daher bin ich in der Schwangerschaft immer sehr darauf bedacht, dass die Mütter ein gutes Immunsystem haben und dies ihrem Kind weitergeben können. Einige Mütter leiden in der Schwangerschaft aus verschiedenen Gründen an Verdauungsproblemen, denen ich dann gerne zu einem Darmaufbau rate. Auch in der Muttermilch befinden sich wichtige Bakterien, wie zum Beispiel Bifidusbakterien, die für den Darmaufbau des Kindes wichtig sind.

Institut AllergoSan: Welche Tipps können Sie Jungmamas bei 3-Monats-Koliken des Babys geben und wie gelangt die Luft in das Bäuchlein des kleinen Liebling?

Steffi Rex: Ich muss sagen, dass der Begriff 3-Monats-Koliken mittlerweile etwas veraltet ist. Denn man weiß, dass es diese klassischen 3-Monats-Koliken nicht mehr gibt. Beziehungsweise es kann sie noch geben, wenn man nicht nach den Ursachen schaut. Natürlich können die Kinder nach zwölf Wochen aufgrund des Entwicklungsschubs von einigen Problemchen, wie auch Verdauungsproblemchen betroffen sein, da sich der Darm gerade in den ersten Wochen intensiv aufbaut. Aber heutzutage weiß man, dass Eltern mithilfe der Hebamme oder des Kinderarztes auf Ursachenforschungen gehen sollten, wenn Kinder sehr stark weinen, möglichweise aufgrund starker Bauchschmerzen oder eben Verdauungsstörungen. Mögliche Ursachen sind auch Blockaden oder verschobene Wirbel, die aufgrund der Geburt entstanden sein können. Erwachsene nehmen bei diesen Beschwerden eine Schonhaltung ein, sowohl beim Liegen, Sitzen als auch Stehen. Babys in diesem Alter können dies eben nur mit Schreien kommunizieren.

Der Darm baut sich gerade in den ersten Wochen intensiv auf.

Ich bin nun mittlerweile 20 Jahre in der Wochenbett Betreuung tätig und beobachte immer wieder, dass diese Probleme nicht von Anfang an vorhanden sind, sondern sich innerhalb der ersten Wochen entwickeln können. Dies hängt einfach mit dem Darmaufbau und natürlich dem Wachstum des Kindes zusammen. Gerade Blockaden können auch erst nach sechs Wochen bei dem Kind Probleme hervorrufen. Starke Blähungen oder auch Bauchschmerzen, wo die Kinder sich zusammenkrampfen, können ebenfalls erst nach ein paar Wochen auftreten. Ich bekomme auch immer wieder mit, dass Eltern glauben, dass sie und ihr Kind nun drei Monate durchhalten müssen. Dies ist aber absolut nicht der Fall. Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, um Kinder und somit auch Eltern zu unterstützen.

Mir ist wichtig das „gesamte“ Kind zu sehen. Um Blockaden zu entdecken, wird dabei beobachtet, wie das Kind liegt, welche Haltung es einnimmt, wie es sich verhält, wenn es schreit etc. Aber auch zu schauen, mit welchen Dingen es sich beruhigen lässt: Ein Kirschkernkissen oder eine Bauchmassage können eine große Hilfe sein. Oder zu beobachten, ob, wie der Stuhlgang aussieht oder das Kind sogar schon während des Stillens anfängt zu weinen und sich zusammen zu krampfen. Aus diesen verschiedenen Beobachtungen heraus, kann dann eine Hebamme oder der Kinderarzt versuchen herauszufiltern, um welche Probleme es sich handelt. Ich kann den Eltern immer wieder nur raten, diese Beschwerden nicht einfach hinzunehmen, sondern genauer hinzusehen, denn 3-Monats-Koliken muss es definitiv nicht mehr geben.

Baby’s Darmmikrobiom

Institut AllergoSan: Warum ist ein gesundes Darmmikrobiom so wichtig ein Baby und was gilt es nach der Geburt zu beachten?

Glueckliches Baby zeigt ZungeSteffi Rex: Ein gesundes Darmmikrobiom ist sehr wichtig, denn ist dies nicht vorhanden, können die Kinder wie bereits gesagt, verschiedenste Probleme bekommen, die tatsächlich nicht sein müssen. Denn nicht nur das Kind leidet darunter, sondern auch die ganze Familie, sowie der ganze Familienalltag. Eine gestörte Darmflora des Babys kann Bauchschmerzen und Verdauungsstörungen zur Folge haben. Da die Babys Schmerzen haben und sich nicht wohlfühlen, beginnen sie zu weinen. Die verzweifelte Mutter, versucht das Kind zu beruhigen, was oftmals dann nicht gelingt.

Ein Teufelskreis beginnt für die Mutter: Sie macht sich Sorgen um ihr Baby. Dieser Stress kann bei Müttern zu Schlafmangel und ungenügender Zufuhr von Essen führen, was wiederum begünstigt, dass die Milchproduktion ausbleibt. In weiterer Folge bekommt das Baby dadurch nicht nur zu wenig zu Essen, sondern auch die wertvollen Bakterien, die über die Muttermilch übertragen werden und der gestörten Darmflora entgegenwirken, sind vermindert. Worauf Hebamme, Kinderarzt und Eltern achten sollten, ist, dass der Darm des Babys vor allem nach einem Kaiserschnitt, noch nicht mit guten Bakterien besiedelt wurde und dies aber essentiell für die weitere Entwicklung des Kindes ist.

In den ersten drei Lebensjahren entwickelt sich das Darmmikrobiom aus, bis es allmählich dem eines Erwachsenen ähnelt.

In den ersten drei Lebensjahren entwickelt sich das Darmmikrobiom aus, bis es allmählich dem eines Erwachsenen ähnelt. Faktoren wie Antibiotika, Stress, oder Infektionen haben Auswirkungen auf die Entwicklung des Darmmikrobioms und können wie bereits erwähnt zu Allergien und anderen Erkrankungen führen. Daher ist die Gabe von Multispezies-Probiotika bereits ab der Geburt enorm wichtig, um die natürliche Besiedelung des kindlichen Darms zu unterstützen.

 

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