27. Feb 2019

„Superfood“ Muttermilch

Muttermilch ist viel mehr als nur Baby-Nahrung! Vor kurzem wurde erforscht, dass viele Stoffwechselerkrankungen (z.B. Allergien, Diabetes oder Adipositas) durch eine Besiedelung des Darms mit falschen, ungesunden Darmbakterien ausgelöst werden und dass diese Krankheiten durch die Fehlbesiedelung des Darms auch auf die nächste Generation übergehen können – ein Teufelskreis beginnt. Eine Schlüsselfunktion nehmen dabei kurzkettige Fettsäuren ein, die von bestimmten nützlichen Darmbakterien produziert werden. Durch die gezielte Gabe ausgewählter Bakterienstämme kann jedoch wirkungsvoll eingegriffen werden.

Der Nutzen von ausgewählten probiotischen Bakterienstämmen bei kindlichen Allergien ist bereits seit Jahren bekannt und wurde auch in zahlreichen wissenschaftlichen Studien bestätigt (vgl. u.a. Niers 2009, Kim 2015). Der dafür verantwortliche Wirkmechanismus unterstützt die ausgeglichene Reifung von wichtigen Zellen für unser Immunsystem (TH1- und TH2-Zellen).

Aktuelle Forschungsergebnisse belegen nun (Soderborg 2016), dass die Übertragung von Adipositas und Diabetes von der Mutter auf das Kind über SCFAs (= kurzkettige Fettsäuren) stattfindet: Diese entstehen, indem bestimmte Darmbakterien unverdauliche Kohlenhydrate fermentieren. Anschließend werden die kurzkettigen Fettsäuren (hauptsächlich Acetat, Propionat und Butyrat, üblicherweise im Verhältnis 3:1:1 vorhanden) von unserem Organismus aufgenommen, sie regulieren insbesondere unser Immunsystem und zahlreiche Stoffwechselprozesse wie etwa die körpereigene Bildung von Fettsäuren (Lipogenese) oder Glucose (Glucogenese). Auch für die Energiegewinnung und die Regulation der Cholesterin-Synthese in der Leber sind kurzkettige Fettsäuren essentiell. Zusätzlich bestimmen sie den Wert unserer Ernährung, denn kurzkettige Fettsäuren beeinflussen die Sättigungshormone und damit die Menge an Nahrung, die man zu sich nimmt.

Während der fortschreitenden Schwangerschaft verändert sich die Darmflora (= Mikrobiota) der Mutter – und mit der Bakterienzusammensetzung auch das Verhältnis der produzierten kurzkettigen Fettsäuren. Eine aktuelle Studie (Soderborg 2016) zeigt nun, dass über die kurzkettigen Fettsäuren eine Übertragung von Adipositas oder Diabetes von der Mutter auf die nächste Generation erfolgt und damit ein Teufelskreis beginnt.

Mütter übertragen Bakterien auf das (ungeborene) Kind

Mütter teilen ihre Bakterien (und insbesondere deren Stoffwechselprodukte wie eben kurzkettige Fettsäuren) mit dem Fötus in der Gebärmutter und während der Geburt (Scheiden- und Darmflora bei vaginaler Geburt; Hautflora bei Kaiserschnitt-Geburt) – und auch während des Stillens werden die mütterlichen Bakterien auf das Kind übertragen („entero-mammary pathway“). In den ersten Tagen nach der Geburt dient die Muttermilch weniger zur Ernährung des Kindes sondern mehr zur Steuerung der bakteriellen Besiedelung des Darms. Die Muttermilch enthält über 200 verschiedene Zuckermoleküle. Das Neugeborene selbst hat noch nicht die Möglichkeiten, diese Zucker zu verdauen und als Nahrung zu nutzen, Bakterien hingegen verwerten diese Zuckermoleküle als Nahrung bzw. als Substrat (Autran 2016). Besagte Zucker fördern also die gezielte Besiedelung des bis dahin fast keimfreien Darms des Neugeborenen mit Bakterien. Außerdem verändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch im Verlauf der Stillzeit und damit auch die bakterielle Besiedelung im Darm des Säuglings. Bestimmte Zuckermoleküle, sogenannte Oligosaccharide, können potentiell schädliche, pathogene Keime an sich binden und sorgen so dafür, dass Krankheitserreger gezielt aus dem Darm des Babys ausgeschieden werden.

Die Muttermilch unterstützt – wie man schon seit langem weiß – die Entwicklung des kindlichen Immunsystems. Direkt nach der Geburt enthält sie einen besonders hohen Anteil an bioaktiven Proteinen und stellt somit eine Art „Leihimmunität“ für das Neugeborene dar, bis dieses selbst nach etwa einem Monat die Abwehr von Krankheitserregern übernimmt. Dann sinkt auch die Anzahl mütterlicher Antikörper in der Milch um rund 90 Prozent. Ebenso nimmt die Vielfalt der Zuckermoleküle deutlich ab. Der Fettgehalt in der Muttermilch steigt aber gleichzeitig an und begünstigt so das Wachstum des Babys.

Probiotika für Mutter und Kind

Eine ausgeglichene Darmflora der Mutter während der Schwangerschaft und auch während der Stillzeit ist daher essentiell für die Entwicklung des Kindes. Mittels ausgewogener, ballaststoffreicher Ernährung oder durch gezielt ausgewählte Probiotika werden im Darm der Mutter die Weichen für die Gesundheit der nächsten Generation gestellt. Und selbst wenn die nützlichen Bakterien der Mutter nicht ausreichend auf den kindlichen Darm übertragen werden können (z.B. bei einer Kaiserschnitt-Geburt oder wenn das Baby nur Fläschchen-Nahrung erhält, da die Mutter nicht stillen kann oder will), kann mittels speziell auf die kindlichen Bedürfnisse abgestimmter Probiotika mit humanen Keimstämmen das Immunsystem des Neugeborenen in die richtige Richtung gelenkt werden – denn für das Immunsystem eines Kindes gibt es keine zweite Chance!

Übertragung der bakteriellen Fehlbesiedelung des Darms von Mutter auf Kind

Übertragung der bakteriellen Fehlbesiedelung des Darms von Mutter auf Kind

Ausgelöst durch eine verringerte Vielfalt oder Fehlbesiedelung des mütterlichen Darms am Ende der Schwangerschaft, kommt es zu einer veränderten Produktion von kurzkettigen Fettsäuren, was einen Einfluss auf Stoffwechselkrankheiten (Allergien, Diabetes, Adipositas) haben kann. Diese Fehlbesiedelung sowie zusätzliche Risikofaktoren (wie Kaiserschnitt-Geburt, Antibiotika oder ausschließlich Fläschchen-Nahrung,) führen zu einer Verschiebung der Darmbesiedelung bei der nächsten Generation. Dieser Teufelskreis kann durch die gezielte Zufuhr probiotischer Bakterien durchbrochen, bekämpft werden.

 
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