15. Mai 2021

Mag. Dr. Susanne Scherübel-Posch

Darmgesundheit und Lebensqualität in der Geriatrie

Der Darm stellt eine immunologisch wirkungsvolle Barriere gegen körperfremde Stoffe dar und beherbergt mit seiner enormen Oberfläche als größtes immunologisches Organ des menschlichen Körpers ca. 80 % des Lymphsystems. Das Darmmikrobiom besteht aus circa 100 Billionen Mikroorganismen, bekannte Vertreter gehören den Gattungen Lactobacillus, Bifidobacterium, Escherichia oder Clostridium an. Eine hohe Diversität von Darmbakterien ist essenziell, damit der Darm seinen vielfältigen Aufgaben wie der Aufnahme und Aufspaltung von Nährstoffen, der Produktion von Immunzellen und der  Energieversorgung der Darmschleimhaut uneingeschränkt nachkommen kann. Eine spezielle Aufgabe des Darmmikrobioms ist die Inhibierung krankmachender Keime, sodass diese sich nicht im Darm ansiedeln können.

Probiotika verdrängen multiresistente Keime

Darmgesundheit und Lebensqualität in der GeriatrieInfektionen mit behandlungsresistenten pathogenen Bakterien stellen ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Sie führen zu erhöhter Sterblichkeit und sind vor allem für Menschen in Langzeitpflegeeinrichtungen sowie für Menschen mit geschwächter Immunabwehr ein ernstzunehmendes Risiko.

Der Einsatz von Antibiotika ist nicht immer zielführend, da sie die Entstehung von behandlungsresistenten Bakterien begünstigen. Aus diesem Grund werden dringend neue Behandlungsstrategien gegen solche resistenten Keime benötigt. Hochqualitative Multispezies-Probiotika rücken hierbei zunehmend in den Fokus der Forschung.

Unter anderem sind probiotische Bakterienstämme in der Lage, krankmachende Keime zu beseitigen. Dies geschieht etwa durch die Ansäuerung des Magen-Darm-Traktes und durch Stoffwechselprodukte der probiotischen Bakterien. Durch die Einnahme von hochqualitativen Probiotika wird außerdem die Darmbarriere gestärkt, die Darmschleimhaut mit Energie versorgt und das Immunsystem unterstützt.

Diese wertvollen Eigenschaften der Probiotika für die Bekämpfung multiresistenter Keime wurden im Rahmen einer Studie an der Medizinischen Universität Graz unter der Leitung von Prof. Zollner-Schwetz und Prof. Krause untersucht [1].

Geriatrische Patienten einer Langzeitpflegeeinrichtung der Stadt Graz erhielten über zwölf Wochen ein Multispezies-Probiotikum mit einer studiengeprüften Kombination aus 10 Bakterienstämmen. Zu Beginn der Probiotika-Gabe und nach zwölfwöchiger Einnahme wurde die Besiedelung des Darms und der Haut mit multiresistenten Keimen analysiert. Es folgte ein Nachbeobachtungszeitraum von weiteren 24 Wochen.

Die Ergebnisse jener Studie zeigen eindeutig, dass das verabreichte Multispezies-Probiotikum eine starke Abnahme der behandlungsresistenten Keime im Darm und auf der Haut bewirken konnte. Der Effekt war während der Probiotikum-Gabe am stärksten ausgeprägt, was darauf schließen lässt, dass bei konsequenter Einnahme das Wachstum der krankmachenden Keime in Schach gehalten werden kann.

Im Nachbeobachtungszeitraum stieg die Zahl behandlungsresistenter krankmachender Keime bei einem Teil der Patienten wieder an, vermutlich durch erneute Infektionen. Somit sind Multispezies-Probiotika in der Behandlung und Vorbeugung von Infektionen mit multiresistenten Keimen äußerst sinnvoll.

Verringern der antibiotikaassoziierter Diarrhö

Probiotika reduziert Auftreten von aad

Eindeutige Reduktion des Auftretens einer AAD bei Antibiotika-Einnahme und gleichzeitiger Probiotika-Gabe.

Dennoch ist die Verabreichung von Antibiotika in Altenpflegeheimen oftmals notwendig, weil Menschen im fortgeschrittenen Alter häufig an Infekten der Harnwege, der unteren Atemwege oder der Haut leiden. Bedauerlicherweise geht die Antibiotika-Therapie meist mit unangenehmen Nebenwirkungen einher, da zusätzlich zu den krankmachenden Keimen auch wichtige gesundheitsfördernde Bakterien beseitigt werden.

Diese Dysbalance der Darmflora kann zu einer antibiotikaassoziierten Diarrhö (AAD) führen. Eine AAD liegt dann vor, wenn kolikartige Schmerzen und Bauchkrämpfe oder mehr als drei Stuhlentleerungen pro Tag auftreten, der Stuhl sehr weich bis flüssig ist und die Stuhlmenge sich deutlich vermehrt hat. Solche Beschwerden können sofort oder erst Wochen nach der ersten Antibiotika-Einnahme auftreten.

Bis zu 40 % der mit Antibiotika behandelten Patienten sind von einer AAD betroffen. Problematisch sind die Komplikationen, die mit einer AAD einhergehen können, beispielsweise Dehydrierung und Hospitalisierung. Auch der erhöhte Zeitaufwand des Pflegepersonals und zusätzliche Hygienemaßnahmen stellen Gesundheitseinrichtungen vor Probleme.

Infizieren sich die Patienten gar mit dem Clostridium-difficile-Keim, kann es zu schweren Darmentzündungen mit lebensbedrohlichen Zuständen kommen. Multispezies-Probiotika können diesbezüglich einen wertvollen Beitrag für die Vorbeugung leisten: Im Rahmen einer Studie unter der Leitung von Prof. Van Wietmarschen in niederländischen Pflegeeinrichtungen wurde ebenfalls das Probiotikum mit 10 wissenschaftlich geprüften Bakterienstämmen bei knapp 90 Patienten angewendet, welche gleichzeitig eine Antibiotika-Therapie (Amoxicillin oder Ciproflaxin) erhielten [2].

Multispezies-Probiotika sind in der Geriatrie nicht nur bei der Bekämpfung von multiresistenten Keimen, sondern auch bei der Vorbeugung einer AAD sehr wirkungsvoll.

Die genannte Studie belegt eindeutig, dass die erfolgreiche Aufnahme des hier angewandten Multispezies-Probiotikums in die Medikamentenliste der teilnehmenden Pflegeheime die Inzidenz antibiotikaassoziierter Diarrhöen bei den Bewohnern verringerte. Unabhängig von der primären Erkrankung war dieses medizinisch relevante Probiotikum imstande, in 50 % der Fälle eine AAD zu verhindern und somit die Patienten vor schweren Folgeerkrankungen wie einer Clostridium-difficile-Infektion zu schützen.

Darmgesundheit verbessert Lebensqualität

Wie die angeführten Studien eindrucksvoll zeigen, sind Multispezies-Probiotika in der geriatrischen Medizin nicht nur bei der Bekämpfung von multiresistenten Keimen, sondern auch bei der Vorbeugung einer antibiotikaassoziierten Diarrhö sehr wirkungsvoll. Ganz generell hat sich die probiotische Unterstützung des Darms bzw. der Darmflora im Alter als sinnvoll erwiesen, da sich die Darmflora im Laufe des Lebens ungünstig verändern kann.

Diese sogenannte Dysbiose ist oftmals durch einseitige Ernährung, Bewegungsmangel und Medikamente bedingt. Ebenso nimmt im fortgeschrittenen Alter die Freisetzung entzündungsfördernder Immunzellen zu, was sich wiederum nachteilig auf die Darmflora auswirkt. Gerade im Bereich der Geriatrie empfiehlt es sich daher – nicht nur für die Prävention von Infektionen –, den Darm durch die Zufuhr von hochaktiven gesundheitsfördernden Bakterienstämmen zu unterstützen, um die Lebensqualität und die gesundheitliche Verfassung betagter Menschen zu verbessern.

 

Quellen:
[1] I. Zollner-Schwetz et al., “Effect of a multispecies probiotic on intestinal and skin colonization by multidrug-resistant gram-negative bacteria in patients in a long-term care facility: A pilot study,” Nutrients, vol. 12, no. 6, Jun. 2020.
[2] H. A. Van Wietmarschen, M. Busch, A. Van Oostveen, G. Pot, and M. C. Jong, “Probiotics use for antibiotic-associated diarrhea: A pragmatic participatory evaluation in nursing homes,” BMC Gastroenterol., vol. 20, no. 1, p. 151, May 2020

 
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