Reisebericht: Ruanda

Ruanda war in der Vergangenheit Schauplatz zahlreicher Gräueltaten – heute möchte es umso mehr ein Vorzeigeland sein und wird als „afrikanische Schweiz“ bezeichnet.

„Bist du jetzt komplett verrückt geworden?“, reagiert meine Mutter wütend, als ich ganz nebenbei erwähne, dass ich in diesem Jahr meinen Urlaub in Ruanda verbringen will. „Die haben doch erst vor kurzem alle Menschen dort umgebracht, ein richtiger Genozid war das, da kann man doch nicht hinfahren! Die bringen sicher jeden um, der da hinkommt.“ Ich versuche, sie zu beruhigen: dass dies bereits vor 20 Jahren war und mein Interesse vorrangig den letzten wild lebenden Berggorillas gilt – im Hochgebirge der Virunga-Vulkane, die hier wie zu Zeiten Diane Fosseys in einer unberührten Landschaft dem Klima und Wilderern trotzen und denen nur ganz wenige Touristen nahekommen dürfen.

Jetzt war sie noch erschrockener „Gorillas? Ich habe deren Zähne im Fernsehen gesehen. Die können dir glatt den Kopf abbeißen!“ Mit all diesen Warnungen im Gepäck steige ich also aus dem Flugzeug in Kigali, der Hauptstadt Ruandas, und wundere mich gleich einmal beim Zoll, denn die erste Frage lautet: „Führen Sie Plastiksackerl oder Plastikflaschen mit sich?“ Hab ich doch noch nie gehört. Was soll denn das? Sind das irgendwelche Voodoozauber-Sachen? Ist mein Englisch nicht gut genug, hab ich da was falsch verstanden? Keine Rede, die Aufklärung folgt durch unseren Fahrer, als ich mich verwundert darüber äußere, wie sauber es in seiner Heimatstadt sei, ganz anders als in den meisten anderen großen afrikanischen Städten, die ich kenne: keine Dosen am Straßenrand, kein Abfall auf den Gehsteigen. Er sieht mich mit einem breiten Lächeln an und erzählt dann davon, warum man sein Land seit wenigen Jahren die „afrikanische Schweiz“ nennt – jeden Freitagnachmittag gehen alle Menschen aus den Büros und Geschäften auf die Straßen und säubern die Gehsteige und Plätze, sofern etwas wegzuräumen ist. „Wir wollen ein Vorzeigeland sein!“, meint er jetzt ganz ernst. „Wir haben hier so schreckliche Dinge erlebt, jetzt machen wir aber alles gemeinsam.“ Ich gebe zu, ich habe mit einem etwas mulmigen Gefühl davon gelesen, dass sich in diesem Land Entsetzliches zugetragen hat, habe von Massenmord und Folterungen durch die Hutu gelesen, die in knapp 100 Tagen 1 Million ihrer Nachbarn, der Tutsis, töteten. Doch dieser junge Mann, der mich so fröhlich angrinst – der ist stolz darauf, dass es heute nur noch Banyarwanda gibt, also Bürger von Ruanda, egal welchem Volksstamm sie ursprünglich angehörten.

Reisebericht RuandaWir fahren jetzt hinaus aus der Stadt und sehen überall auf den Feldern arbeitende Menschen, vielfach singen die Frauen, während sie auf dem Kopf ihre Einkäufe nachhause tragen, nirgendwo Bettler, nirgendwo Armut und Lumpen, sondern sehr junge, fröhliche und fleißige Arbeitende in bunten Gewändern, viele Kinder – wie überall in Afrika – und eine üppige Natur, die aber bereits zum Großteil landwirtschaftlich genutzt ist.

Das mulmige Gefühl verlässt mich langsam, und Freude breitet sich aus, als wir jetzt hinauf ins Bergland kommen. Zusehends wandelt sich die Vegetation, es wird spürbar kälter und feuchter. Die Temperaturunterschiede sind eklatant, als wir abends aus dem Jeep klettern und unser Gepäck ausgeladen wird. Rauch bildet sich beim Ausatmen, die Nebel hüllen die Berge in ihr undurchdringliches Grau und lassen alles schemenhaft wirken. Ich bin froh darüber, dass ich die warme Haube dabei habe und dass uns im schönen Holzhaus ein prasselndes Feuer im Kamin erwartet. Ist doch irre – wir sind in Afrika! Während des Abendessens hören wir schon wundervolle, aber auch abenteuerliche Geschichten. George, unser Gastgeber, ist selbst ein berühmter Naturfotograf, der schon viele Preise gewonnen und sein Leben den Berggorillas gewidmet hat. Wenn er erzählt, welche Urgewalten entfesselt werden, wenn so ein 250 kg schweres Tier durch den Urwald bricht, sich in seinem Imponiergehabe zu voller Größe aufrichtet und auf seine breite Brust trommelt, stellen sich mir die Nackenhaare auf, und ich überlege, ob die Tirade meiner Mutter nicht vielleicht doch einen Funken Wahrheit beinhaltet hat.

Jetzt gibt es jedenfalls keinen Rückzieher, die Chance, diesen schwarzen Riesen so nahezukommen, die gibt es für mich nur morgen, und ich werde sie nutzen. Die Nacht ist kurz, denn schon um 6 Uhr werden wir geweckt und zu den Rangern gebracht, die uns genaue Anweisungen zum Verhalten bei den vom Aussterben bedrohten Tieren geben: Ja nicht husten oder niesen – unbedingt unterdrücken! Die zögerliche Frage eines Amerikaners – „Werden sie dann etwa aggressiv???“ – wird mit einem kurzen Lachen beantwortet – nein, das sei dazu da, um die Tiere vor Grippe zu schützen – und wenn unumgänglich, dann bitte in die Armbeuge. Viren sind unerwünschte Besucher! Und keinesfalls näher als 8 Meter an die Tiere herangehen! Und ja nicht berühren!

Die massigen Gorillas entfesseln in Bewegung im Dschungel wahre Urgewalten.

Zuerst marschiert unsere Truppe noch durch Blumenfelder: Es sieht wie eine gemütliche Wanderung aus, die Sonne ist da, es wird warm. Dann aber verteilen die Ranger dicke Wanderstöcke, der Aufstieg beginnt. Nun machen sich die festen Schuhe, die lange Hose und das langärmlige T-Shirt bezahlt. Überall lauern brennnesselähnliche Pflanzen; Wurzeln und Astgabeln tauchen plötzlich vor mir auf. Wir rutschen auf dem feuchten Grund, verhaken uns in Lianen, wehren Spinnen ab – ich bin nach 2 Stunden total außer Atem. Doch dann – wie aus dem Nichts – stehen zwei „Tracker“ vor unserer kleinen 8-Mann-Gruppe. Sie verbringen den Tag mit den Berggorillas. Erst wenn sich diese am Abend ein Nest bauen und sich schlafen legen, geht für die Tracker der lange Tag zu Ende. Am nächsten Tag, bevor die Berggorillas erwachen, kehren sie zu ihnen zurück. So wissen die Tracker immer, wo sich die Tiere aufhalten – und die Ranger haben die Chance, uns auch tatsächlich dorthin zu lotsen, wo wir eine Gorillafamilie sehen können. Dann heißt es: Still sein, Rucksäcke und Wanderstöcke abstellen und rein ins Gebüsch. Denn jetzt suchen wir die Gorillas. Wer sich bislang noch auf den Beinen halten konnte, bekommt spätestens jetzt Schwierigkeiten. Der Boden ist überwuchert von Farnen, und der Anstieg schwer zu bewältigen. Immer wieder müssen die Ranger uns mit ihren Macheten den Weg freischlagen.

Ruanda ReiseberichtIch bleibe erschöpft stehen, ich habe keine Luft mehr, der Ranger schaut besorgt zu mir herüber, und ich signalisiere ihm: ‚Ok – bloß eine Minute’. Und da höre ich aus dem dünner werdenden milchig trüben Nebel Geräusche. Als ich mich zur Seite drehe, erscheint nur wenige Meter neben mir der mächtige Körper eines Tieres mit silbrig schimmerndem Rücken. Einen Moment lang trifft der ruhige, tiefe Blick des Gorillas den meinen, es ist, als wolle er erkunden, was mich hierher gebracht hat, dieses kleine, schwache Menschlein in sein wildes Reich.

Noch immer überlegt er, mein Herz pocht, doch es ist nicht Furcht, sondern diese Nähe zu einem unglaublichen Wesen, das tief in meine Seele zu blicken scheint, das Überlegenheit und Friedfertigkeit ausstrahlt. Und all die Mühen des Anstiegs, die schlammigen Wege, die quälenden Insektenschwärme, alles ist vergessen, und ich lächle dieses riesige Wesen an. Wie auf ein Zeichen hin setzt er sich und beginnt, sich genüsslich mit Bambus vollzustopfen. Inzwischen kommt auch der Rest der Familie: Ein großes Weibchen geht knapp an mir vorbei, und als sie sich umdreht, stößt sie mich mit ihrem Hinterteil so hart, dass ich nach hinten kippe und nun am Boden sitze. Von unten sieht sie gewaltig aus, und mein Herz macht ein paar Stolperer, doch ich wage nicht, mich zu bewegen oder wieder aufzustehen. Ihr scheint es egal zu sein, aber nicht den beiden Kleinen, die hinter ihr herkommen.

Die stehen jetzt vor mir und betrachten das eigenartige Wesen, das weder Fell noch richtige Haut zu haben scheint. Die Kamera drücke ich an mich, doch die interessiert sie auch nicht. Viel spannender ist der blinkende Zippverschluss meiner Jacke, als die Sonne jetzt durch den Wald kommt. Die kleinen Gorillas ziehen daran – es tut sich nichts – und sie springen gleich ein paar Hüpfer weiter zu einem Chamäleon, das sich gerade auf einem Ast ausrollt. Mit 2 Schritten ist jetzt auch der Ranger wieder da und hilft mir blitzschnell hoch, gerade noch rechtzeitig, denn aus dem Gebüsch hört man plötzlich ein Kreischen und Heulen, das Brechen von Unterholz. Mein Freund mit dem Silberrücken ist ebenfalls schon auf den Beinen und wirft sich nach rechts, wir eilen ihm nach, um zu sehen, was los ist. Auf der nächsten Lichtung erblicken wir ein anderes großes Männchen mit einem schreienden Gorillaweibchen.

Einen Moment lang trifft der ruhige, tiefe Blick des Gorillas den meinen, es ist, als wolle er erkunden, was mich in sein wildes Reich gebracht hat.

Der Ranger zischt: „Vorsicht, das wird gleich heftig!“ Und so ist es: Der Anführer richtet sich auf, brüllt, dass es mir durch Mark und Bein geht, trommelt auf seine Brust – und stürzt dann auf den Mitbewerber zu. Der allerdings hat anscheinend mitbekommen, dass er sich mit dem großen Silberrücken doch nicht auf einen Kampf einlassen sollte, und flüchtet. Langsam kehrt der Anführer zu seinem Platz zurück, brüllt noch einmal in den Wald, trommelt auf seine mächtige Brust und setzt sich dann ruhig und majestätisch auf den Waldboden, um seine Bambusmahlzeit wieder aufzunehmen. Ich fühle mich so glücklich, bin so zufrieden, was ich hier sehen darf – Ruhe und tiefe Freude breiten sich in mir aus: Die Menschen und auch die Gorillas haben es hier in Ruanda anscheinend geschafft, ihr eigenes Leben wieder richtig gut zu führen.


 

Ruanda

Ruanda liegt als dicht bevölkerter Binnenstaat in Ostafrika, grenzt an Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Uganda und Tansania. Es trägt aufgrund seiner hügeligen Umgebung auch den Namen „Land der tausend Hügeln“. Der Großteil ist durch ein Hochland mit einer durchschnittlichen Seehöhe von 1500 Metern geprägt. Auf dem Staatsgebiet verläuft die afrikanische Hauptwasserscheide zwischen den Einzugsgebieten des Nil und des Kongo. Ruanda war von 1884 bis 1916 eine deutsche Kolonie, 1962 erlangte es über die UNO-Mandatsmacht Belgien seine Unabhängigkeit.

Fläche: 26.338 km2

Einwohner: 12 Millionen

Zeitdifferenz zu MEZ: plus 1 Stunde (keine Sommerzeit)

Flugzeit: von Wien nach Kigali ca. 7 Stunden

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