Leaky Gut – der “löchrige” Darm

Das Leaky-Gut-Syndrom wird immer wieder mit anderen Erkrankungen in Verbindung gebracht, ein Beispiel dafür sind Autoimmunerkrankungen. Wissenschaftler beschäftigen sich schon länger damit, welche Rolle das Leaky Gut bei der Entstehung von Krankheiten hat und inwiefern es unser Mikrobiom beeinflusst.

Die Darmbarriere als Schutzfunktion

Der Darm weist durch seine enorme Gesamtoberfläche viele Angriffspunkt für krankheitserregende Mikroorganismen auf. Als Schutz und zur Abwehr dient dem Körper die sogenannte Darmbarriere, welche aus der gesunden Darmflora des Dickdarms, der Darmschleimhaut und des im Darm sitzenden Immunsystems besteht. Die Darmflora hat die Aufgabe gesundheitsschädliche Keime zu verdrängen. Bestimme Bakterien sind in der Lage Substanzen zu produzieren, die das Wachstum von körperfremden Bakterien unterdrücken. Unsere Darmbakterien sind zudem für die Regulation der Schutzfunktion der Darmschleimhaut und des darmeigenen Immunsystems zuständig. Die Darmschleimhaut ist besonders dicht aufgebaut und, wie der Name schon sagt, von einer Schleimschicht umgeben, welche das Eindringen von schädlichen Keimen verhindern soll.

Was ist ein Leaky Gut (= „löchriger Darm“)?

Unter dem Begriff „Leaky-Gut-Syndrom“ versteht man eine vermehrte Durchlässigkeit der Darmwand, welche eine unerlässliche Barriere zwischen dem Wirtsorganismus und seiner Außenwelt darstellt. Dadurch verändert sich die Schleimschicht an der Darmoberfläche, viele Bakterien sterben einfach ab. Nun werden spezielle Stress- und Entzündungsbotenstoffe gebildet, welche die darunter liegende Darmzellschicht zerstören. Alle mit der Nahrung in den Körper gelangenden, giftigen Stoffe werden nun nicht mehr einfach mit dem Stuhl ausgeschieden, sondern können ungehindert in die darunterliegenden Blut- und Nervenbahnen eindringen und zu entsprechenden Veränderungen und Erkrankungen führen. Neben einer ausgewogenen mikrobiellen Besiedlung des Darms sowie einer ausreichenden Bildung von Mukosaschleim und Eiweißen des Immunsystems ist eine intakte Darmschleimhaut unabdingbare für die Abwehr von Krankheitserregern und zur Verhinderung des Durchtritts unerwünschter Substanzen durch die Darmwand.

Leaky Gut - Stress als Auslöser für eine geschädigte Darmbarriere

Vergleich einer intakten Darmbarriere mit einem „löchrigen Darm“

Wie wirken sich negative Veränderungen der Darmflora auf die Darmbarriere aus?

Als Dysbiose bezeichnet man eine Veränderung der Darmflora, die mit krankhaften und häufig entzündlichen Symptomen verbunden ist. Die Ursachen einer Dysbiose sind sehr vielfältig.

Auslöser können unter anderem sein:

  • Medikamente (z.B. Antibiotika)
  • Entzündungen
  • Überwucherung mit krankheitserregenden Keimen
  • Ernährung,
  • Genussmittel,
  • Stress
  • Wechselwirkungen mit dem Immun-, Nerven- und Hormonsystem

Eine gestörte Darmflora macht sich zunächst mit Symptomen wie Aufstoßen, Blähungen, übelriechendem Stuhl oder Darmkrämpfen bemerkbar. Es kommt zu einem Ungleichgewicht von gesunden und schädlichen Darmbakterien. Krankheitserregende Bakterien können sich bei entsprechenden Veränderungen des Milieus massiv vermehren und die gesunden Darmbakterien verdrängen. Dies führt schon nach kurzer Zeit zu Entzündungen und in Folge zu einem sogenannten „löchrigen Darm“ („Leaky Gut“-Syndrom).

Entstehung des Leaky-Gut-Syndroms

Infolge des Leaky-Gut-Syndrom wird die Barrierefunktion der Darmschleimhaut beeinträchtigt und es kommt zu einem vermehrten Übertritt unerwünschter Stoffe in den Blutkreislauf. Hierbei kann es sich, wie bereits erwähnt, um krankheitserregende Keime, Schadstoffe oder auch große Moleküle aus der Nahrung handeln. Dabei werden zunächst im Darm inadäquate Antworten des Immunsystems auf diese Stoffe und Keime ausgelöst, welche unter anderem allergische Reaktionen auf diese Stoffe und Moleküle entstehen lassen. Allem voran entstehen Entzündungen der Darmschleimhaut und beispielsweise Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Basierend auf diesen Veränderungen kommt es in weiterer Folge zu chronischen Entzündungsprozessen, was zu Autoimmunerkrankungen, wie Diabetes Typ 1 oder Multipler Sklerose, führen kann. Heute kann mittels modernsten Laboranalysen, welche die Diagnostik revolutioniert haben, eindeutig gezeigt werden, in welchem Maß eine reduzierte Darmflora die Ursache vielfältiger Störungen und Erkrankungen ist: Diese Liste reicht von den Allergien über das chronische Müdigkeitssyndrom, chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, Depressionen über das Reizdarmsyndrom bis hin zum Dickdarmkrebs.

Wie wird ein Leaky Gut diagnostiziert?

Eine Methode, um ein Leaky-Gut-Syndrom feststellen zu können, ist der sogenannte Lactulose-Mannitol-Test. Hier wird dem Patienten eine Laculose-Mannitol-Lösung zum Trinken verabreicht und nach einer bestimmten Inkubationszeit, wird der Urin auf diese Stoffe untersucht. Sind vermehrt diese Stoffe im Urin vorzufinden, ist eine Störung der Darmbarriere wahrscheinlich. Eine weitere Möglichkeit, ein Leaky Gut zu diagnostizieren, ist der Zonulin-Test. Dieser Test prüft das Protein Zonulin, welches bei bestimmten Reizen von den Darmzellen abgesondert wird und die Durchlässigkeit der Darmbarriere erhöht. Anhand einer Serumprobe wird getestet, wie viel Zonulin sich im Blut befindet, denn ein erhöhter Wert gib einen Hinweis auf das Leaky-Gut-Syndrom. Mit einem Stuhltest kann der Entzündungsmarker Alpha-1-Antitrypsin gemessen werden. Dieses Protein wird größtenteils in der Leber hergestellt und dient zur Regulation von Entzündungsreaktionen. Ist die Darmbarriere vermehrt durchlässig, kann alpha-1-Antitrypsin in den Darm gelangen und schlussendlich im Stuhl nachgewiesen werden.

Macht ein kranker Darm müde?

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Was sind die Ursachen?

Es ist sehr schwer, sich auf eine Ursache für die Entstehung von Leaky Gut festzulegen. Oft ist es ein Zusammenspiel mehrerer Komponenten. Ebenso kommen bakterielle Erreger, Parasiten, Pilze, Medikamente und natürlich auch der Lebensstil als Verursacher in Frage. Mögliche Ursachen für ein Leaky-Gut-Syndrom können sein:

  • Medikamente
    Medikamente, wie beispielsweise Schmerzmittel oder Antibiotika, können bei einer dauerhaften Einnahme die Darmbarriere schädigen. Kortison ist ein weiteres Medikament, welches der empfindlichen Magen- und Darmschleimhaut längerfristig schaden und zu einem Leaky Gut führen kann.
  • Lebensstil
    Ein stressiger Alltag oder regelmäßiger Alkoholkonsum können ebenfalls den Magen-Darm-Trakt angreifen. Stress spielt bei vielen Krankheiten fast immer eine entscheidende Rolle. Im Darm zeigen sich durch dauerhaften Stress auch messbare Veränderung der Darmschleimhaut. Untersuchungen haben auch eindeutig ergeben, dass regelmäßiger Konsum von Alkohol zu einer Schädigung der Darmbarriere führen kann. Alkoholkonsumenten neigen im Durchschnitt häufiger zu Durchfällen als Menschen, die abstinent leben. Bereits ein Verzicht für zwei Wochen auf Alkohol bringt eine Verbesserung des Zustandes der Darmschleimhaut. Die Ernährung ist bei der Ursachenerhebung ebenso ein relevanter Faktor. Eine unausgewogene Ernährung oder sehr zucker- und fett lastige Essgewohnheiten können sich negativ auf den Verdauungstrakt auswirken und auf Dauer ein Leaky-Gut-Syndrom begünstigen.
  • Pilze
    Unser Körper wird von einer Vielzahl an Mikroorganismen, wie zum Beispiel Bakterien und Pilzen, besiedelt. Diese konkurrieren um das Gleichgewicht und die Präsenz im Darm. Pilze werden normalerweise durch die guten Darmbakterien in Schach gehalten, jedoch kann es passieren, dass es zu einem Ungleichgewicht von diesem Verhältnis kommt und die Pilze, beispielsweise Candidapilze, Überhand nehmen. Candidapilze sind Hefefpilze, der Candida-Gruppe. Der Candida albicans ist einer der bekanntesten dieser Art und kommt bei circa 75 % aller gesunden Menschen vor. In der Regel schadet er nicht, aber bei einer Dysbalance spielt er auch beim Leaky-Gut-Syndrom eine entscheidende Rolle.
  • Allergien
    Allergien werden zu einem immer häufiger werdenden Problem. Lebensmittel, Metalle, Pilzgifte, Farbstoffe und künstliche Lebensmittelzusätze können zu entzündlichen Reaktionen im Körper führen. Diese Entzündungen entstehen auch, wenn der Körper negativ auf manche Lebensmittel mit einer Unverträglichkeit reagiert und führen im Körper auf Dauer zu Schäden der Darmschleimhaut.

Der Alltag mit Leaky Gut

Nach der Diagnose „Leaky-Gut-Syndrom“ sitzt der Schock tief, aber die Beschwerden lassen sich sehr gut mit verschiedenen Therapien lindern. Das Wichtigste ist, die Entzündungen im Körper zu reduzieren, denn durch ein Leaky Gut hat der Körper Kontakt mit Antigenen, beispielsweise Weizen und Kuhmilch, welche Entzündungsreaktionen auslösen können. Der erste Schritt wäre eine Umstellung der Ernährung. Sie ist oft ausschlaggebend für die Intensität der Beschwerden und daher mit einem durchdachten Ernährungsplan gut beeinflussbar. Lebensmittel, die reich an raffinierten Zucker, ungesunden Fetten, Haltbarmachern und Nahrungszusatzstoffen ist, begünstigen bei längerfristigen Konsum ein Leaky-Gut-Syndrom oder die Entstehung anderer Darmerkrankungen. Das äußert sich durch eine dauerhafte, „stille“ Entzündungsaktivität im Darm. Eine ausgewogene Ernährung in Form von gesunden Fetten, Ballastoffen, Vitaminen und Mineralstoffen, beruhigt den Darm sowie die Entzündungen. Vor allem bei nachgewiesenen Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder -allergien sollten schlecht verträgliche Lebensmittel gemieden werden. Durch die ständige Aufnahme von Nahrung, die Tumult im Darm auslöst, entstehen immer wieder Entzündungen, die Krankheiten wie Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa fördern. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit Hafer, Roggen oder Gemüse und Obst sind sehr gut für die Darmflora und beeinflussen die Verdauungsaktivität positiv.

Welche probiotisch wirksamen Bakterienarten sind bei einem Leaky-Gut-Syndrom empfehlenswert?

Zusätzlich zur Ernährungsumstellung gibt es weitere Therapiemöglichkeiten die helfen, die Symptome zu lindern und ein Leben mit dieser Diagnose zu erleichtern. Jedoch ist es wichtig, hier nur in Rücksprache mit Ihrem Arzt gemeinsam die passende Medikation auszuwählen. Ein weiterer Therapieansatz ist der mit Probiotika. Probiotika sind laut der Weltgesundheitsorganisation (kurz WHO) “lebensfähige Mikroorganismen, die bei Verabreichung in ausreichender Menge eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den Wirt mit sich bringen“. Als Wirt wird in diesem Fall der Mensch gesehen, der die Mikroorganismen aufnimmt. Probiotika enthalten Bakterien, die im menschlichen Darm von Natur aus angesiedelt sind und unterstützen somit die bereits vorhandenen Bakterien in ihrer Aktivität. Oft herrscht im Darm ein Ungleichgewicht an guten und schlechten Bakterien, wenn ein Leaky-Gut-Syndrom vorliegt. Somit ist eine Zufuhr von lebensfähigen, probiotischen Darmbakterien für die Wiederherstellung einer gesunden Darmflora von Bedeutung.

Welches Probiotikum bei Leaky Gut?

Idealerweise eignet sich die Kombination aus spezifischen, probiotischen Bakterienstämmen, die nachweislich in der Lage sind, eine übermäßig erhöhte Öffnung der Darmschleimhaut zu reduzieren. Probiotisch wirksame Bakterienarten bei Leaky-Gut-Syndrom sind zum Beispiel Bifidobacterium longum, Lactobacillus acidophilus, Lactobacillus plantarum, Lactococcus lactis und Streptococcus thermophiles. Die Dosierung und die Dauer der Einnahme wiederum richtet sich nach verschiedenen Aspekten: Alter, mögliche Grunderkrankungen, Ernährung, psychische und physische Beeinträchtigungen, Rauchen, Alkohol, verschiedene (medikamentöse) Therapien etc. Eine ausführliche Beratung mit einem Arzt oder in einer Apotheke gibt ausführliche Informationen, welches Probiotikum oder welche Kombination von probiotischen Bakterienstämmen die beste Lösung ist.

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