29. Jan 2020

Mag. Anita Frauwallner

Reisebericht: Komodo Island

„Wissen Sie es bereits? Der Komodo-Nationalpark wird geschlossen!“ Mit diesen Worten begrüßt mich die Mitarbeiterin meines Stamm-Reisebüros und sieht ziemlich traurig aus. „Schon mit Ende dieses Jahres – es gibt doch nur noch wenige Tausend Komodowarane und dann setzen sich ein paar Verantwortungslose über alle Regeln hinweg und machen auf der trockenen Insel ein Barbecue. Ein riesiges Buschfeuer war die Folge und nun darf niemand mehr hin!“ Diese Nachricht kommt völlig unerwartet, habe ich doch gedacht, dass mir gerade eines meiner letzten Abenteuer, das ich mir noch aufgehoben habe, nicht weglaufen könnte! Drei Monate später sitze ich bereits im Flugzeug, um die Naturschauspiele auf dem trockenen, von Mensch und Tier weitgehend unberührten Eiland Komodo zu erleben: Denn mein Wunsch ist es, lebende Drachen zu sehen – und mit sehr viel Glück sogar bei der Paarung zu beobachten.

Reisebericht Komodo Island

Jeder einzelne der rundum verstreuten Vulkankegel mündet am Fuße in halbmondförmige Buchten in unglaublichem Grün und Blau.

Also geht es zuerst nach Labuan Bajo, wo ich ein Boot besteige, das mich zu all den wunderbaren Inseln und Orten bringen wird, mit geheimnisvollen Namen wie Bima und Maumere, zur Insel des Königs – Pulau Raja – ebenso wie nach Flores und in die Banda-See. Gleich unsere erste Station hat es in sich: Wir besteigen am späten Nachmittag einen alten erloschenen Vulkan, der uns hoch hinauf über alle anderen ringsum liegenden Erhebungen führen wird. Doch der Anstieg ist schweißtreibend, die Sonne hat auch um 17 Uhr kaum etwas von ihrer Strahlkraft eingebüßt und so bleibt der Blick zumeist auf den Boden geheftet, um nicht über die brüchigen Steinbrocken zu stolpern. Doch dann – endlich – der steilste Anstieg, und der gibt uns nun den Blick frei auf eine wahre Inselwunderwelt. Jeder einzelne der rundum verstreuten Vulkankegel mündet am Fuße in halbmondförmige Buchten in unglaublichem Grün und Blau. Sie schillern in allen Nuancen, das Sonnenlicht bricht sich in vielen von ihnen – wir stehen da und können nur staunen ob dieses Schauspiels, das sich uns nun mit der untergehenden Sonne bietet. Jeder der steilen Vulkane ist in goldenes Licht getaucht, als die Sonne sich nun rasch dem Meeresspiegel nähert. Und als sie in die See eintaucht, flammt sie in dunklem Orange auf. Das fröhliche Gelächter meiner Begleiter verstummt angesichts der faszinierenden Farbintensität, die jetzt auch uns einhüllt und voller Bewunderung für die Schönheit dieser Erde sprachlos dastehen lässt. Plötzlich hören wir ein Rauschen, das unmöglich vom Meer kommen kann, sind wir doch viel zu hoch hinaufgeklettert. Fragend drehe ich mich zu meinem Guide um, der bereits breit grinst – „Fledermäuse …“, höre ich ihn sagen und er beginnt zu lachen, als ich ihn verständnislos ansehe. Er deutet hinunter auf die Bäume, von denen das Rauschen kommt, – und jetzt sehe ich es: Dort erheben sich ganze Wolken von eigenartigen Tieren – das sind keine Vögel und da ist auch kein Kreischen zu hören, wie ich es von den Krähen bei uns zuhause kenne. Die Wesen erheben sich ohne jeden Laut in den Himmel – es sind Tausende, nein Hunderttausende – und jetzt, als sie über mir sind, erkenne ich ihre Gestalt – es handelt sich tatsächlich um Fledermäuse! Der halbe Himmel ist bereits bedeckt von ihnen mit ihren eigenartigen Körpern. Und da sie recht tief über unseren Köpfen sind, kann ich auch die großen Augen und die nackten Flügel sehen. „Flying foxes – fliegende Füchse!“ Zehnmal größer als Fledermäuse bei uns, ziehen sie mit starrem Blick über unsere Köpfe hinweg – ich kann kaum ein Schaudern unterdrücken. Der flammende Abendhimmel ist schnell in Vergessenheit geraten, und die schwarzen Flügel, die ohne jeden Laut noch immer zu Tausenden über uns hinwegziehen, lassen bei manchen von uns bedrückende Gedanken aufkommen. Passend schreit jetzt auch noch eine der Frauen auf: „Hier gibt’s Ratten!“ Die possierlichen Tierchen haben es sich nicht allzu weit von uns gemütlich gemacht, denn irgendjemand hat dort sein Abendbrot auf einem Stein ausgepackt und bei all dem Staunen über den Sonnenuntergang und die Fledermäuse vollkommen darauf vergessen. Die Ratten aber hat der Duft von gegrilltem Hühnchen angezogen. Jetzt müssen alle lachen und mit dieser großartigen Stimmung machen wir uns auf den Rückweg, um möglichst nach unten zu gelangen, bevor es stockfinster ist. Auf dem Weg zum Boot bleiben wir immer wieder voller Bewunderung stehen, um den Blick auf die geschwungenen Buchten und auf das bei aufgehendem Vollmond geheimnisvoll glänzende Meer zu genießen.

komodo dragons

Der Komodo-Drache hat uns seinen mächtigen Kopf zugewandt, den langen Hals weit nach vorne gereckt, die kalten schwarzen Augen scheinen uns zu mustern.

Und schon zwei Tage später ist es dann so weit: Wir landen auf der Insel der Drachen! Bereits am frühen Morgen erwartet uns ein Ranger, er erklärt uns die Lebensweise der Komodowarane und entsprechende Verhaltensregeln, nämlich wie weit wir uns diesen Tieren nähern dürfen. Sie produzieren einen gefährlichen Speichel, der selbst ausgewachsene Büffel innerhalb weniger Stunden tötet. Es ist Vorsicht geboten! Meine drei Freunde, die mit mir am Boot waren, sind ebenso gespannt wie ich, als wir loswandern. Niemand kann garantieren, dass wir diesen größten lebenden Echsen der Welt auch tatsächlich begegnen werden, doch unser Guide hat zur Sicherheit eine lange hölzerne Abwehrvorrichtung mitgebracht. Unser Weg führt uns zuerst durch einen unerwartet dichten Urwald, der es uns wegen seiner braunen, gelben und grünen Farne gar nicht einfach macht, diese Tiere mit ihrem grau gemusterten festen Panzer überhaupt zu erkennen. Aber unser Ranger Toro versteht sein Handwerk: Nach nur zehn Minuten streckt er die Hand aus, woraufhin wir ruckartig stehen bleiben, und schon kann ich vor uns einen dieser riesigen Warane ausmachen. Seine Körperlänge schätze ich auf drei Meter. Er hat uns seinen mächtigen Kopf zugewandt, den langen Hals weit nach vorne gereckt, die kalten schwarzen Augen scheinen uns zu mustern, immer wieder schnalzt die etwa 30 cm lange, vorne zweigespaltene Zunge aus seinem Maul – minutenlang. Und ganz plötzlich ­– Prüfung nicht bestanden – verschwindet das massiv gebaute Tier mit einer ruckartigen schnellen Bewegung, die man ihm nie zugetraut hätte, binnen Sekunden im Gebüsch.

„Ich habe tatsächlich einen Komodo-Drachen gesehen!“, flüstere ich Valeria zu, die hinter mir steht und mir mit begeistertem Blick zunickt. Und schon geht es weiter. Der Wald wird lichter, wir nähern uns der Baumgrenze und hören plötzlich dumpfe Schläge aus dem Gebüsch. Toro duckt sich, deutet uns, hinter ihm zu bleiben, und zwängt sich durch das Geäst. Das, was hier auf uns wartet, lässt mir kurz den Atem stocken: Drei riesige Echsen reißen einem Hirsch blutige Fetzen aus dem noch zuckenden Leib. Sie richten sich immer wieder hoch auf, um die Fleischbrocken gierig verschlingen zu können. Knochen brechen, sie werden mit einem Biss zermalmt und verschlungen. Mit ihren riesigen Krallen halten sie den Körper ihres Opfers fest, um an die besten Stücke heranzukommen. Und dann – ganz plötzlich – wendet sich ein Komodowaran mit seinem kräftig auf den Boden schlagenden langen Schwanz einem der beiden anderen Drachen zu: Schleimiger Geifer rinnt ihm aus dem Maul, als er versucht, mit der ganzen Kraft seines mächtigen Körpers den Artgenossen aus der Nähe des Hirsches zu verdrängen. Doch der zweite denkt gar nicht daran, zurückzuweichen. Ein eigenartiger Laut dringt aus seinem weit aufgerissenen Maul – sekundenlang starren sich die Kontrahenten Brust an Brust an, dann jedoch scheinen sie sich zu besinnen und stürzen sich wieder auf den blutigen Fleischklumpen, der vor ihnen liegt. Das Schlagen und Reißen geht noch minutenlang weiter – keiner von uns kann sich diesem Schauspiel der gewaltigen Echsen entziehen. Ja, sicher – die Tiere sind keine zehn Meter lang, aber das hier ist auch kein Film, nicht Jurassic Park, sondern die wilde Natur einer fast ausgestorbenen Art, die es gerade mal hier – auf vier menschenleeren Inseln – geschafft hat, nicht ausgerottet zu werden.

„Wie konnten diese unförmigen Drachen den schnellen Hirsch erlegen?“, fragt Valeria, und der Ranger erklärt uns genau das, was mich schon seit Jahren fasziniert. Die Drachen müssen den Hirsch nicht töten, sie müssen ihn nur irgendwo am Körper zu fassen bekommen und ihre Zähne dort hineinschlagen. „Habt ihr den schleimigen Geifer gesehen, der aus ihren Mäulern tropft? Der enthält tatsächlich Gift. Und zwar ein langsam wirkendes, das die Blutgerinnung blockiert. Die Warane beißen also blitzschnell zu – und dann haben sie Zeit. Die Büffel, die Hirsche – sie glauben, dass sie davongekommen sind, aber die Drachen wissen: Sie müssen nur warten. Nach etwa ein bis zwei Tagen ist es dann so weit – das Opfer bricht zusammen, und mittlerweile haben sich gleich mehrere Echsen als Verfolger zusammengerottet, die sich jetzt auf das Tier stürzen und es oft bei lebendigem Leib zerreißen. Denn ihnen selbst macht das Gift natürlich nichts aus …“

Recht benommen von diesem urzeitlichen Ereignis, sind wir hinter unserem Ranger auf dem Hügel angekommen und blicken hinunter auf das steppenartige Gras, welches von der Sonne versengt wurde. Eine Welt ohne Menschen – nur so konnten die Echsen überleben. Wir treten den Rückweg an, schweigsam, weil beeindruckt von dem, was wir miterleben durften. Die ersten Bäume empfangen uns mit ihrem Schatten, mir fällt auf, dass ich hier praktisch keine anderen Tiere gesehen habe. Nun tauchen Schilder auf, denen zufolge wir nicht abseits des Weges gehen dürfen. „Wer mag wohl so verrückt sein, sich hier freiwillig ins Gebüsch zu begeben?“, fragen wir den Guide mit einem ersten Lächeln, doch Toro beginnt schon zu erklären, dass gerade Paarungszeit sei und die Weibchen in diesem Gebiet ihre Nester bauten, welche sie kriegerisch bewachten. Das sei notwendig, da selbst die eigenen Väter sowohl die Eier als auch die noch ungelenken, vor kurzem geschlüpften Jungen auffressen würden. Die Weibchen der Komodowarane seien so schlau, dass sie gleich mehrere Gruben aushöben, um die Männchen in die Irre zu führen. „Sie sind zwar sehr viel kleiner als die männlichen Echsen, aber in dieser Zeit nehmen sie es mit jedem doppelt so großen Männchen auf.“ Unser Mitreisender Gianpaolo grinst mich an: „Ist doch wie bei uns Menschen – mit den Frauen ist auch nicht gut Kirschen essen, wenn es um den Nachwuchs geht! So viel hat sich in diesen Jahrmillionen also gar nicht geändert.“ Wir lachen alle, und die Anspannung lässt nach. Als wir uns der Rangerstation nähern, begegnen wir immer wieder einer dieser Echsen. Wir bemerken, dass sie unterschiedliche Färbungen haben und gegenüber uns Menschen gleichgültig sind. Das macht uns mutiger, und wir kehren auch mal einem der Tiere für ein Foto den Rücken zu.

Doch die Erinnerung an den Kampf der Drachen dort oben auf dem einsamen Berg wird uns wohl unser restliches Leben lang begleiten – und die Hoffnung, dass überall auf dieser Erde Platz genug bleibt für Tier und Mensch. Denn wir haben die gesehen, die trotz ihrer Körperkraft ohne unseren Schutz keine Chance hätten, zu überleben.


Komodo/Indonesien

flughunde komodoBis zu drei Meter lang und mehr als 70 Kilogramm schwer werden die Komodowarane. Ihr grimmiges Erscheinungsbild hat diesen größten noch lebenden Echsen auch den Namen Komodo-Drachen eingebracht. Wasserbüffel, Affen und Wildschweine zählen zu ihren Beutetieren, sogar Aas verschmähen sie nicht. Obwohl sie als recht aggressiv gelten, kommen Angriffe auf Menschen selten vor. Rund 3.000 Tiere sind auf Komodo beheimatet. Weitere Exemplare gibt es nur noch auf vier anderen ostindonesischen Inseln: Rinca, Gili Dasami, Gili Motang und Flores. Als Hauptattraktion von Komodo locken die Riesenechsen jährlich etwa 10.000 Touristen auf die Insel. Zum Schutz der Warane will die indonesische Regierung die Insel im Jahr 2020 für Touristen schließen. In dieser Zeit sollen unter anderem etwa 10.000 Bäume gepflanzt werden.

Inselgruppe: Kleine Sundainseln
Fläche: 390 km²
Höchste Erhebung: Gunung Arab, 823 m
Einwohner: 2.000, 5,1 Einwohner/km²
Hauptort: Komodo

 

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